il Tedesco – Früher (Jugendzeit)
…der morgen war kühl, obwohl sich das Gewitter, das in der Nacht getobt hatte, schon weit raus aufs Meer zurückgezogen hatte. Ich war viel zu leicht angezogen, und als ich die Vespa am Strand abstellte, hatte ich Gänsehaut am ganzen Körper. Eigentlich war ich noch zu jung, um sie schon fahren zu dürfen, aber so früh war fast noch niemand unterwegs und ich hatte bis zum Strand darauf geachtet, nur kleine Kiesstraßen zu nehmen, auf denen normalerweise keine Polizei unterwegs ist.
Die Sonne stieg gerade aus dem Meer und wurde zum Teil noch von der Gewitterfront verdeckt, was dem Himmel ein bizarres Aussehen verlieh. Ich ließ meine Schuhe zurück und lief in großen Sprüngen runter ans Meer. Der Sand war eiskalt, so früh am morgen. Kaum zu glauben, dass man ihn gegen Mittag schon nicht mehr barfuß betreten würde können. Die Plastiktüte am Handgelenk schlurfte ich durch das seichte Wasser nah am Ufer und blieb nur gelegentlich kurz stehen, wenn ich eine brauchbare Muschel ausgraben konnte. Mama würde sie später mit Knoblauch und Kräutern kochen und als Beilage zur Pasta zum Mittagessen geben.
Ich weiß bis heute nicht, was diesen Morgen so seltsam machte, die Stimmung der aufgehenden Sonne mit den Gewitterwolken, die ungewöhnliche Kälte für Anfang September, ich habe keine Ahnung. Irgendwann wurde mir bewusst, dass viel zu wenig Menschen am Strand waren. Normalerweise sind um diese Zeit immer schon einige Muschelsucher, Jogger oder Spaziergänger auf den Beinen. Ich aber war alleine. Weil ich wenig Muscheln fand, lief ich anders als sonst auch noch weit über den Leuchtturm hinaus. Der Freistrand hier war berüchtigt, Nachts ließ sich hier niemand blicken. Dieser Abschnitt ist schmutzig, Treibgut wird nicht entfernt, Muschelreste nicht aufgesammelt. Zerbrochene Flaschen und Reste von Lagerfeuern erzählten die Geschichten von wilden Partys.

Am Strand sah ich ein Boot, ein altes Fischerboot, klein, schäbig. Drei Jungs standen dort. Als ich auf ihrer Höhe war, glotzten sie interessiert zu mir herüber.
„Was suchst Du?“
„Muscheln.“ antwortete ich zaghaft.
„Und, schon welche gefunden?“ mischte sich der Zweite ein.
„Geht so.“
Ich ging jetzt etwas schneller, ich wollte weiter.
„Schau dir das hier mal an.“ er zeigte auf das alte Boot.
„Nein, ich, ähm, habe keine Zeit.“
Unsicher. Ich war viel zu unsicher. Jedes Tier merkt, wenn du unsicher bist, hatte mir mein Vater beigebracht. Und das ist nie gut.
„Komm, es dauert nicht lang, du musst das sehen.“ er deutete wieder auf das Boot.
Ich sah mich um. Niemand weit und breit. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Vielleicht ganz kurz schauen und das dann als Anlass nehmen, direkt hoch zur Straße zu laufen, weg vom Strand…
Ich näherte mich dem Boot.
„Hier, da drin, schau.“ sagte er wieder.
Ich hatte das Boot erreicht, blieb etwas davor stehen, reckte den Kopf, um über den Rand zu blicken. Natürlich war da nichts, das Boot war leer und als ich gerade kehrt machen wollte, spürte ich die Hand des Einen an meinem Po. Ich schlug sie weg und funkelte ihn böse an. Der links von mir griff nach meiner Brust und ich trat nach ihm, verfehlte ihn aber und der Dritte nutzte diesen Moment um von hinten meine Arme zu packen und sie auf den Rücken zu drehen. Ich zappelte wie verrückt, versuchte nach den beiden anderen zu treten, erwischte den Einen zwischen den Beinen worauf er mir eine Ohrfeige verpasste, die mir ganz kurz die Besinnung nahm. Ich wurde nach hinten gezogen, konnte mich nicht auf den Beinen halten und fing an zu schreien. Die Hand, die mir der Kerl hinter mir daraufhin auf den Mund presste, roch widerlich und ich versuchte rein zu beißen, aber er drückte so fest zu, dass mir die Luft weg blieb. Während mir einer die Shorts runterriss zog der andere bereits seine Badehose herunter und dann vergewaltigten sie mich nacheinander, einer sogar zwei mal.
Ich weiß nicht mehr, was damals in mir vorging. Ich habe alle Gedanken und Gefühle daran jahrelang völlig unterdrückt. Und als ich irgendwann so weit war, dieses Erlebnis aufzuarbeiten, habe ich am Ende alles gelöscht.
Als sie von mir abgelassen hatten, lag ich wimmernd am Strand. Mir tat alles weh und als ich mich halb aufrichtete sah ich, dass meine Oberschenkel voller Blut waren. Ich versuchte mich an dem Boot hoch zu ziehen und als ich es fast geschafft hatte sackte ich wieder zusammen und schaffte es gerade noch, den Kopf zu drehen und erbrach mich mehrmals in diesen scheiss kalten Sand.
Ich habe keinerlei Erinnerung mehr daran, wie ich nach Hause kam. Ich weiß nur noch, dass ich mich tagelang in meinem Zimmer einsperrte und völlig ohne Regung Tag um Tag über mich ergehen ließ. Ich sprach mit niemandem darüber, ich wollte nicht ein Wort von diesem Erlebnis je aussprechen müssen. Ich lebte nur noch in einem Gefühl aus Ekel, Schmerz und Alpträumen.
Als ich vier Wochen später noch immer meine Regel nicht bekam, wurde zur Gewissheit, was ich schon seit Tagen gespürt hatte. Ich war schwanger.
Ich war ein minderjähriges, lediges, entjungfertes, schwangeres Mädchen in einem kleinen italienischen Dorf. Mein Leben war vorbei, noch bevor es richtig begonnen hatte…
Das Date meines Lebens
Wir hatten Anfang Januar das erste Mal telefoniert. Es war nicht meine Idee gewesen. Ich war so aufgeregt, redete vermutlich viel zu viel und genau das Falsche. Wir wussten beide nicht so genau, wie wir damit umgehen sollten. Ich war verschlossen, obwohl ich es doch irgendwie wollte. Ich war zu fordernd, zu ungeduldig, zu zurückhaltend, zu schüchtern. Wir redeten lange, fast eine Stunde, und zum Abschied blieben wir vage. Alles in der Schwebe.
Ich verdrängte das Gespräch, analysierte es, verwarf Ideen, Gefühle, Pläne. Ich weiß nicht mehr, wie viele Mails ich anfing, bis ich die Fassung hatte, die ich dann endlich abschickte. Und dann warten…es machte mich plötzlich verrückt. Ich kontrollierte mein Postfach im Minutentakt, versuchte, mich abzulenken, Hoffnungen zu ersticken…
Die Antwort, die kam, war….unverbindlich. Ich hatte, wie beim ersten Telefonat, wieder nur Stuss von mir gegeben, alles zu offen formuliert; der Empfänger war nicht schlau daraus geworden. Ich schrieb wieder ein paar Mails, die ich alle nicht abschickte, vertrödelte eine ganze Woche und rief dann einfach an.
Ein eiskalter Januartag. Ich hatte kaum geschlafen, wusste nicht, was ich anziehen sollte, hatte niemanden, dem ich davon erzählen konnte.
Viel zu früh losgefahren, viel zu schnell einen Parkplatz gefunden, viel zu lange in der Kälte vor dem Café gewartet. Das Literaturcafé, in der Innenstadt. Ehrfürchtig stand ich draußen und stellte mir vor, dass all die Menschen, die hier in wichtige Gespräche vertieft schienen, gerade große Projekte besprechen.
Endlich elf Uhr, endlich soweit, endlich persönlich gegenüber stehen! Sie kommt mit dem Rad, strahlend, sympathisch. Das Gesicht passt zur Stimme, ich bin erleichtert, fühle mich sofort wohl. Sie ist auch Italienerin, das macht es einfacher, die Chemie stimmt; zumindest für mich. Die Espressomaschine im Café ist defekt, wir lachen, trinken Saft und fangen an zu reden. Endlos, über alles Mögliche.
Sie zerstreut meine Bedenken und nimmt mir die Angst. Ich habe das noch nie gemacht, aber meine Lust darauf ist unbeschreiblich groß. Sie drängelt nicht, sie weiß, wenn ich es wirklich will, dann tue ich es auch, wenn nicht, dann eben nicht.
Die Nachricht, dass es endlich Kaffee gibt, unterbricht unseren Redefluss. Sie wird ein bisschen ernst, aber die letzten Minuten höre ich schon nicht mehr zu. Normseiten, mindestens 250 davon, aber nicht mehr als 300 Seiten, all das rauscht an mir vorbei. Die Euphorie, die mich gepackt hat, lässt mein Blut in den Ohren rauschen. Die Verabschiedung, mir fehlt jede Erinnerung daran. Nie hätte ich gedacht, dass das mal jemand von mir will. Ein bisschen Angst habe ich immer noch, aber ich werde es tun. Ich werde schreiben.
Miesepeter
Die Kinder unten beim Nachbarn trampeln und schreien, der Nachbar hackt morgens um 7.00 Uhr das Eis von seinem Gartenweg, Samstags! Im Bus telefoniert einer laut, ein anderer nimmt mir die Vorfahrt. Der Nächste kriecht mit 25 km/h vor mir her. Der Postbote lässt das Hoftor hinter sich offen, der Hausmeister räumt seit 2 Tagen keinen Schnee. Der Kollege schickt die versprochenen Unterlagen nicht heute, dafür verschärft sich die Krise irgendwo auf der Welt. Der Nachrichtensprecher schaut angemessen betroffen, als er über das jüngste Massaker berichtet und irgendwelche reichen Menschen werden noch reicher. Besonders dreiste Menschen schauen nicht nur Dschungelcamp, nein, sie geben es auch noch zu. Öffentlich! Ein Rentner im Supermarkt benötigt extra lang, das Kleingeld passend zu finden und andere Menschen, die nicht die Zeit haben, das abzuwarten, kollabieren fast. Im Lokal sitzt einer, der viel zu dick ist und daneben gleich einer, der viel zu hässlich ist. Blöd sind ja sowieso alle Menschen… Dann gibt es noch welche, die meinen, mit ihrer extra lauten Stimme jeden Raum füllen zu müssen, die Assistentin, die aus Dummheit nichts kapiert, den Kunden, der sowieso ein Arschloch ist und den Auftraggeber, der von nichts Ahnung hat. Dazu kommen noch diverse Idioten, die den Rasen immer dann mähen, wenn man gerade so gar keinen Nerv dazu hat, die Töchter aus gutem Haus, die ihr Klavier missbrauchen und die Nachbarn, die entweder zu laute oder ganz falsche Musik hören. Oder, ganz dreist, beim Sex stöhnen. Den haben sie entweder zu oft (Schweine), oder nie (Looser).
Mir dröhnt der Kopf. Mir dröhnt der Kopf von all dem Gejammer, dem Anprangern, dem Verurteilen, dem Hass, der verbreitet wird. Von Gutmenschen, die sicher sind, dass sie selbst alles richtig machen. Nie jemanden stören, nerven, in den Wahnsinn treiben. Sie erklären mir die Welt, nein, sogar das Universum. Sie sagen mir, wann ich etwas falsch mache, nicht richtig verstanden habe. Sie kritisieren mich hemmungslos, in der Gewissheit, selbst alles besser zu wissen.
Ganz ehrlich? Leckt mich. Heute morgen habe ich – wie jeden Tag – meditiert. Unter mir tobten zwei Kinder ab. Die Wohnung hat vibriert. Unverschämt? Um 6.30 Uhr morgens? Mir völlig egal. Mein Herz ist voller Liebe. Für Menschen. Egal ob sie dick, hässlich, dumm, langsam oder was auch immer sind. Die Kinder tobten durch die Wohnung, weil sie glücklich waren. Schön! Der Nachbar mäht jetzt den Rasen. Na und? Er wird einen Grund haben, einen Grund, der für ihn einleuchtend ist. Würde ich mich mit ihm unterhalten, würde ich vermutlich verstehen, warum er es jetzt gerade tun muss. Der vor mir her kriecht, wegen ein wenig Schnee auf der Straße? Na und. Er darf so fahren, wie er sich sicher fühlt. Vielleicht hält er mich unbewusst auf, weil mir sonst an der nächsten Ecke einer reinknallen würde. Vielleicht ist er nur mein Schutzengel. Der Rentner an der Kasse? Gott, irgendwann werde ich auch so alt sein. Jetzt geniesse ich meine Jugend. Und zwar ohne Hass und Ungeduld. Ich sage manchmal, wenn mich etwas stört. Ich sage immer, wenn mich etwas freut. Ich verbringe viel Zeit damit, Menschen für das, was sie im Rahmen ihrer Möglichkeit tun, zu loben. Ich pfeife auf Äusserlichkeiten. Ich habe noch nie einen Menschen getroffen, an dem ich nicht irgend ein kleines Detail liebens- oder beachtenswert fand. Ich könnte es endlos fortführen. Es nervt mich nicht. Es gibt fast nichts, was mich nervt. Wenn ich dennoch einmal kurz vorm explodieren bin, mache ich einen Schritt zurück. Denn ich weiß, es liegt in dem Moment mehr an mir, an meiner Sicht der Dinge, nicht an dem, was andere tun. Und dann atme ich durch, lasse meinen Puls runterfahren, lächle. Es heisst “Du musst Dich selbst lieben, um die Welt lieben zu können.” Dreht man den Spruch um, wird er erschreckend: “wer die Welt hasst, hasst sich selbst.” Traurig.
Wünscht dem unbeleuchteten Radfahrer doch einfach mal, dass er gut Zuhause ankommt, anstatt sich über ihn aufzuregen. Das tut gut. Vor allem euch.
2012 in review
Die WordPress.com-Statistik-Elfen fertigten einen Jahresbericht dieses Blogs für das Jahr 2012 an.
Hier ist ein Auszug:
4.329 Filme wurden beim Cannes Film Festival 2012 eingereicht. Dieses Blog hatte 20.000 Besucher in 2012. Wenn jeder Besucher ein Film wäre, dann würde dieses Blog 5 Film Festivals füllen
Fotoimpressionen aus Rimini
Ein paar Impressionen von Rimini in meinem Fotoblog
San Leo – Impressionen
Ein paar Impressionen aus San Leo von gestern sind in meinem Bildblog: San Leo
San Marino – Fotoblog
Ein paar Fotos von gestern aus San Marino sind in meinem Bildblog zu sehen: Fotoblog
AMORE
Sei così bella, ancora più bella di quanto ricordassi. Sono passati quattro anni dall’ultima volta che ci siamo viste, quanto tempo. Non per te. Per me. Per te è stato un attimo, o meglio, qualcosa di più forse. A me sembra quasi essere passata una vita intera, da quante sono le cose accadute nel frattempo. Te ne stai lì, come un tempo, fiera, arcaica, imperturbabile.
Dopo tutto questo tempo il tuo splendore è aumentato. Sai che sono stata io quella che ti ha ridato la vita? O la cosa non ti interessa? Mi sembri più grande, più matura di un tempo.
Ma quali pensieri sto a farmi? Tu hai duecento anni, o perlomeno le tue fondamenta e quello che ho potuto tralasciare nella restaurazione ne hanno duecento.
Il tuo giardino è cresciuto, lui non lo ha curato, non c’era quasi mai. Laddove la natura poteva ha riconquistato il suo territorio. Qua e là qualcosa cigola e un po’ di intonaco si sbriciola di nuovo, ma tutto ciò non fa che aumentare il tuo fascino.
Allora ti avevamo comprato per via del panorama. La tua sistemazione su di una collina proponeva una visuale mozzafiato. Sedere in quella terrazza e guardare verso le colline, lontano, fin verso i contorni dell’Appennino è così bello che mi vengono quasi le lacrime. Su di te ho conseguito il termine dei miei studi, poiché tu eri per me, per noi, un “per sempre”, così disse lui un giorno, e io ci avevo creduto. Qui mi sono vista crescere, i bambini giocare, essere felice. Via dagli obblighi, dalle costrizioni, dall’influenza della famiglia. Ero pronta nel rinunciare a tutto questo.
Quasi per due anni ha cercato di convincermi a tornare qui. Tornare ai ricordi e ritrovare le vecchie emozioni.
Non lo so neppure adesso se era stata una buona idea o no. Fa ancora male la rottura di allora con la famiglia. Come allora, ricomincio a ribellarmi. E come allora, me ne sto seduta ore e ore in terrazza e guardo verso le colline, lontano, fin verso i contorni dell’Appennino.
- altrettanto pubblicato a turismo Emilia Romagna
- Deutsche Version DAILY: Liebe

Im Restaurant
Bevor ich meine erste Restaurant-Rezension hier im Blog schreibe, vorneweg, die werden alle nicht so detailliert ausfallen, wie man das vielleicht tun sollte. Aber, ich bin keine Restaurantkritikerin. Ich gehe essen, weil ich es liebe, nicht um nur für eine Rezension die ganze Speisekarte durchzuarbeiten.
Beginnen möchte ich mit dem „Casal San Sergio“ in der Nähe von Fossombrone, in den Marken, im Hinterland von Fano.
Entdeckt habe ich es zufällig, an einem dieser Sonntage, an dem ich zum Schrecken aller anderen gegen 11.00 Uhr beschließe, den aperitivo ausfallen zu lassen, um auf die Suche nach einem neuen Restaurant zu gehen. Meine Freunde hassen und lieben diese Vorhaben zugleich. Hassen, weil es passieren kann, dass ich auch nach drei Stunden sofort wieder aus dem x-ten Lokal gehe, weil mir etwas nicht gefällt, während alle schon fast am Verhungern sind. Lieben, weil ich ein untrügliches Gespür dafür habe, selbst in der verlassensten Gegend noch eine Perle von Restaurant aufzutun.
Die kritische Grenze in Italien ist ca. 13.30 Uhr. Bis dahin sollte man wissen, wo man isst, denn ein vernünftiges Mittagessen benötigt nun mal mindestens zwei, eher knapp drei Stunden – und dann wird es einfach zu spät.
An diesem Sonntag ging die Uhr schon auf Richtung zwei Uhr zu, wir waren bestimmt schon an die hundert Kilometer kreuz und quer durch die Hügel gefahren, hatten bei zwei Restaurants nicht mal das Auto verlassen, eins hatte geschlossen, eins, das ich von früher kannte, war abgerissen worden und eins war beim Betreten wegen der dreisprachigen Speisekarte sofort durchs Raster gefallen.
Dann, wie gesagt, es war fast schon zu spät und die Ersten von uns sahen sich schon an einem Piadina-Stand notdürftig eine minderwertige Stärkung einnehmen, sah ich aus dem Augenwinkel ein Schild. Ich trat voll auf die Bremse, knallte den Rückwärtsgang rein und las irgendwas mit „Rocca“. Nun sind Schilder in Italien eine Wissenschaft für sich. Sie zeigen in alle möglichen Richtungen, sagen dir was von 4 km und nach 2 km kommt das nächste Schild, auf dem es zum gleichen Ziel plötzlich noch 6 km sein sollen. Restaurantschilder werden gerne irgendwo aufgestellt, dann aber nicht konsequent bis zum Ziel fortgesetzt und Entfernungsangaben stehen meist eh nicht drauf. Kurz, Restaurantschildern folge ich normalerweise nie. Diesmal schon, die Verzweiflung war bereits groß genug. Und so traute ich meinen Augen kaum, als nach einem Kilometer bereits tatsächlich das Ziel erreicht war. Zwar, wie sich später herausstellte, nicht das Lokal, auf das das Schild hingewiesen hatte, aber egal. Wir bekamen Essen.
Bevor ich der Übersichtlichkeit halber für dieses Lokal einen eigenen Blogabschnitt eröffne, ein paar grundsätzliche Dinge, zum Essen in Italien, die es vielleicht vereinfachen, das Essen besser genießen zu können.
Beim Betreten:
Es ist unüblich, sich seinen Platz selber zu suchen. Einfach warten, bis ein Kellner kommt, der euch einen Tisch vorschlägt. Diesen muss man natürlich nicht sofort akzeptieren. Ein kurzes Zögern und dabei den Wunschtisch ins Auge fassen, genügt fast immer.
Italiener essen VIEL:
Ja, aaaber, nicht immer. Nur weil im Reiseführer steht, dass ein vernünftiges Menü aus einer großen Nudelvorspeise gefolgt von einem Hauptgang und davor am besten noch ein paar antipasti besteht, erwartet niemand, dass man mehr isst, als man kann. Es ist absolut üblich, sich z.B. ein Nudelgericht zu zweit als Vorspeise zu teilen. Oder auch das Hauptgericht, oder auch nur aus der Rubrik Vorspeisen etwas auszuwählen. Kein Stress, da meckert niemand.
Die Weinkarte:
Du bist Weinkenner und möchtest gerne gute Weine probieren. Ja, mach das. Auf dem Weingut um die Ecke. Im Lokal ignoriere ich die Weinkarte prinzipiell. Man bestellt 1/4 (quarto) oder 1/2 (mezzo). Diese offenen Weine sind vom Weinbauern in der Nähe, ehrlich, gut und entsprechend preisgünstig. Im Fischlokal nimmt man entsprechend Weißwein, hier wird die Frage kommen „frizzante oder fermo“ (leicht mit Kohlensäure versetzt oder still).
Die Flasche Wasser zum Essen ist obligatorisch, es wird auch nicht lange gefragt, ob man eine möchte, sondern nur, wie man sie haben will – still oder sprudelnd (naturale oder frizzante).
Und in der Pizzeria?
Die gute Pizzeria auf dem Land wird nur abends Pizza anbieten, da der Steinofen nicht zweimal am Tag angeschürt wird. Zur Pizza trinkt man in Italien übrigens Bier, Rotwein dazu ist eine Deutsche Erfindung und in Italien absolut unüblich. Bier bekommt man (zu horrenden Preisen) in drei Größen: klein (piccola) 0,2 Liter, mittel (media) 0,4 Liter oder, aber bitte nur, wenn man zu mehreren ist, groß (grande) 1 Liter. Der Liter wird nicht wie in Bayern üblich im Maßkrug für einen Gast gebracht, sondern im Krug mit entsprechend vielen Gläsern, so dass sich alle am Tisch aus diesem Krug nachschenken können (das ist übrigens der Grund für die alkoholischen Ausfälle meiner Landsleute auf dem Oktoberfest, die sich nie vorstellen konnten, bei der Bestellung von einem Liter Bier dieses in EINEM Glas für EINE Person serviert zu bekommen).
Die Beilagen:
Anders als in Nordeuropa üblich, gibt es standardmässig keine Beilagen zum Essen. Man kann diese, je nach Laune, separat bestellen, muss das aber nicht. Darin liegt auch das Geheimnis, nicht völlig überfressen aus dem Lokal zu wanken. Fisch und Fleisch alleine, ohne brutale Sättigungsbeilagen, sind viel leichter zu verdauen und machen auch nicht dick.
Die Speisenfolge:
Klingt blöd, aber die Speisenfolge ist nicht variabel und folgt einer strengen Abfolge. Zuerst Antipasti, kalt oder warm. Dann der erste Gang (il primo), in der Regel diverse Nudelgerichte. Zu Nudeln mit Fleisch oder Gemüse gehört Parmesan, der in der Regel unaufgefordert gebracht wird. Nudelgerichte mit Fisch bitte niemals damit bestreuen. Der zweite Gang (il secondo), der Beilagen zulässt. Geheimtipp ist hier Salat oder Gemüse vom Grill, Pommes kann man schliesslich in den diversen Schnellrestaurantketten essen. Nach dem Hauptgang kommt das Dessert (dolce). Kein Schnaps, kein Kaffee. Kein Dessert MIT Kaffee. Ich habe einen Wirt erlebt, da hatte ich schon den Espresso vor mir, sah am Nachbartisch ein Tiramisu, das ich einfach haben musste. Er brachte es und nahm den Kaffee wieder mit. Nach dem Süßen gibt’s dann endlich Koffein. BITTE, und das meine ich ernst, keinen Cappuccino bestellen. Jedem Italiener dreht sich beim Gedanken daran der Magen um. Und zudem gilt es als grobe Beleidigung für den Wirt. Der Cappuccino ist ein Frühstückskaffee. Er macht satt. Ihn nach dem Essen zu ordern, signalisiert dem Koch, sein Essen war entweder zu wenig oder zu schlecht. Man bestellt einen caffè (=espresso). Danach kommt dann zur Belohnung und zur Abrundung ein kleiner Grappa oder Limoncello.
Wichtig, die Reihenfolge ist einzuhalten, einen oder mehrere Gänge wegzulassen aber üblich.
Die Speisekarte:
Richtig gute Lokale haben gar keine. Weil sich der Koch nicht festlegen lässt, was ihm morgens auf dem Markt gefallen wird. Gibt es eine Karte, hat sie informativen Charakter. Ich habe schon Ausländer schier verzweifeln sehen, als sie versuchten, eine Übersetzung zu finden, in ihren Wörterbüchern. Es gibt unzählige Namen für Gerichte, die sind nicht übersetzbar. Die sind regional. Ich muss selbst immerzu nachfragen, was was ist. „Fenchel nach Omas Art“ oder „Wildschweinragout des Chefs“ kann alles bedeuten. Wichtig vielleicht, vorher die Begriffe für Schwein, Rind, Lamm und Huhn nachschlagen. Dann hat man eine grobe Orientierung.
Die Rechnung:
In den meisten Lokalen geht man mit der Rechnung an die Kasse und zahlt dort, ganz selten direkt am Tisch. Die Rechnung beläuft sich auf 56 € und ihr sagt, wie in Deutschland gewohnt „mach 60“, ihr werdet dennoch Wechselgeld auf 56 zurück bekommen. Warum? Ganz einfach. Trinkgeld ist völlig unüblich. Auch wenn das immer wieder pauschal im Reiseführer steht. In Touristenzentren ist dass Trinkgeld über das „Gedeck“ (coperto) bezahlt, in Lokalen, in denen üblicherweise nur Einheimische verkehren, wird keins gegeben. Wer damit nicht leben mag, lässt beim Gehen ein paar Münzen direkt auf dem Tisch liegen. Übrigens, Italiener in einer Gruppe zahlen gemeinsam, das heisst, die Rechnung wird einfach durch die Anzahl der Teilnehmer geteilt, ohne viel herum zu rechnen.
Kleine Extras:
Rauchen ist in Italien überall verboten, es gibt auch keine Raucherlokale. Aber jeder Wirt hat irgendwo draußen eine gemütliche Lounge dafür bereitgestellt. Wenn ihr die Toilette sucht, einfach nach dem „Bagno“ (sprich banjo) fragen.
So, bestens gerüstet, wird es Zeit, ein paar Lokale auszuprobieren. Das erste folgt in Kürze.
September, zurück in München
Das erste Meeting nach vier Wochen in Italien. Zu spät dran, wie immer. Die Sonnenbrille noch im anderen Auto, als ich sie im Fiat in den Halter klipse, bricht der Bügel ab, die Büroschlüssel unauffindbar, also nochmal in die Wohnung, Ersatzschlüssel suchen. Zurück im Auto fällt mir das geheime Dokumentenfach im Fiat wieder ein, klar, da hatte ich sie hingetan. Motor läuft schon, vergessen, dass ich hier wieder kuppeln muss, Gang rein, Motor aus. Raus aus der Garage, vollgas, die üblichen 30 km/h zu schnell. Atemlos, Streß, Adrenalin. An der Ampel den iPod an den Stecker fummeln, die Mediaplayersteuerung verfluchen. Endlich Musik. Emma. Cercavo Amore. Blick in den Innenspiegel, der gehetzte Blick. Tunnelblick. „Spinnst Du?“ denke ich plötzlich. Vier Wochen Italien. An jeder Ecke Polizei, gelernt, jedes Tempolimit exakt einzuhalten. Warum das jetzt wieder ändern? Fuß vom Gas. Blick aufs Aussenthermometer: 23 Grad. Keine Sonne. Deutschland kann so effektiv sein. Dach auf, Musik laut, pfeif auf die Sonnenbrille. Zigarette an, durchatmen. Genießen.
