Feeds:
Beiträge
Kommentare

Ich liebe Outtakes bei Filmen. Ich liebe sie so sehr, dass ich früher, als ich noch ins Kino ging, immer als Einzige sitzen blieb, während des Abspanns, weil ja vielleicht noch was hätte kommen können. Genauso spannend finde ich den Director’s Cut, in dem noch viel enthalten ist, was später einfach der vorgegebenen Zeit oder einem flüssigen Ablauf des Storyboards im Wege steht. Die Outtakes sind für mich die Krümel, die man von der Torte räumt, damit sie perfekt ist, aber hey, auch die Krümel schmecken ganz wunderbar. Die Sequenzen des Director’s Cut dagegen sind wie der Zuckerguss, der ein bisschen neben die Torte gelaufen ist. Ein wunderbarer Genuss, aber man entfernt ihn, damit die Torte in die Schachtel passt.

Und weil ich diese Dinger so mag, diese „Krümel“ und den „Zuckerguss“, die aus irgendeinem Grund rausgefallen sind, fiel mir plötzlich ein, dass ich es bei meinem Buch genauso gemacht habe. Da gab’s mal einen schönen Tag, den ich rausgekürzt habe, oder eine Begegnung, die nicht unmittelbar mit der Handlung zu tun hatte, sie alle fielen den vorgegebenen zweihundertfünfzig Seiten zum Opfer.

Damit sich kein Käufer meines Romans ärgern muss, dass diese Outtakes an die zweite Auflage angehängt werden, bringe ich sie zuerst hier im Blog.

Viel Spaß damit!

iL Tedesco – Der Deutsche ist soeben als Buch erschienen:

-> Taschenbuch

-> ebook

-> ibooks-Apple

Link zum Interview:

DAS INTERVIEW ZUM ROMAN: INTERVIEW

Die WordPress.com-Statistik-Elfen haben einen Jahresbericht 2013 für dieses Blog erstellt.

Hier ist ein Auszug:

Die Konzerthalle im Sydney Opernhaus fasst 2.700 Personen. Dieses Blog wurde in 2013 etwa 22.000 mal besucht. Wenn es ein Konzert im Sydney Opernhaus wäre, würde es etwa 8 ausverkaufte Aufführungen benötigen um so viele Besucher zu haben, wie dieses Blog.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

Danke euch

Ich wünsche allen Lesern meines Blogs einen ganz bezaubernden Jahresausklang und ein wundervolles 2014. Und ich möchte mich bei euch bedanken, fürs Lesen, für die Kommentare, die Fragen. Ihr macht meinen Blog lebendig und gebt mir die Motivation zu schreiben.

Insgesamt war 2013 für mich ein sehr hartes Jahr, mit viel Arbeit, vielen Höhen und Tiefen, nicht so sehr beruflich, aber mental hat es mich sehr ausgelaugt. Mein ursprünglicher Zeitplan, nach Italien zurückzukehren, hat sich, wie schon die Jahre davor, wieder weiter in die Zukunft verschoben.

Versöhnlich war für mich dagegen, dass ich mein Buch beendet habe. Es hat mich viele Tränen gekostet, “iL Tedesco” zu schreiben. Aber ebenso viele Tränen habe ich vergossen, weil die Unterstützung durch euch so groß war. Die unzähligen lieben und aufmunternden Kommentare hier im Blog, aber auch in den Netzwerken, ob auf Twitter, auf Facebook oder g+, das war wirklich sehr bewegend, diese liebevolle Unterstützung zu bekommen.
Als ich kurz vor Weihnachten tatsächlich dann das erste gedruckte Exemplar in den Händen hielt, konnte ich es kaum glauben. Ein unbeschreiblich schönes Gefühl, das ich mir immer wieder in Erinnerung rufe, wenn ich in diesen Tagen, wie jedes Jahr, etwas “durchhänge”. Ihr, meine Leserinnen und Leser, seid es, für die ich schreibe. Und ich möchte das wirklich deutlich machen, dass ich dafür dankbar bin. Das Sahnehäubchen, das ich als euer Weihnachtsgeschenk nehme, war, als ihr mein Buch bei Amazon sogar für ein paar Tage unter die „Top 100“ gebracht habt.

Für 2014 habe ich zwei große Projekte. In meiner Countdown-App zählt der Timer die Tage runter, bis zum 31.12.2014. Das Ziel des Countdowns ist meine Heimkehr nach Italien. Und natürlich das zweite Projekt, wie am Ende von “iL Tedesco – Der Deutsche” versprochen, schreibe ich den zweiten Teil des Romans. Ich werde meine Geschichte weitererzählen, erlebt habe ich in drei Jahren in Deutschland dazu genug. Der Titel steht bereits fest: “La Tedesca – Die Deutsche”.

Feiert schön und kommt gesund und glücklich in ein für uns alle grandioses 2014.

Eure

Chiara

Silvester

Es ist schon ein bisschen her, aber da ein Tannenbaum darin vorkommt und mich das Erlebnis tief beeindruckt hat, passt es finde ich ganz gut zu Weihnachten.

Er ist achtzig und sein Leben hat er auf seinen Feldern verbracht. Er zeigt mir seinen Hof, und will wissen, wie wir das in Italien machen. Er versteht mich nicht sehr gut, weil seine Ohren nicht mehr so wollen, ich verstehe ihn nicht so gut, weil mein Deutsch nicht für Dialekte reicht. Aber unsere Herzen sprechen die gleiche Sprache. Dann zeigt er mir den Baum. Dazu deutet er in einem der Ställe auf ein Fenster, es geht zur Nordseite, gleich gegenüber, nicht mal ein Meter, ist eine hohe Mauer. Es ist dunkel in dieser schmalen Gasse, kalt, und nie scheint dort die Sonne. Ich sehe die Spitze eines Tannenbaums, ein paar zartgrüne Ästchen. Vor vielen Jahren, erzählt er, entdeckte er dort unter dem Fenster ein kleines Tannenbäumchen, nur ein paar Nadeln, ein paar Zentimeter hoch. “Ich habe mir vorgenommen, so lange zu leben, bis das Bäumchen so hoch ist, dass ich es von hier drin aus sehen kann. Jetzt, wo es soweit ist, ist jeder Zentimeter mehr ein Geschenk.” Er lächelt dabei, zufrieden. Ich wünsche ihm noch viele Zentimeter.

(Die Geschichte stammt aus meiner Rubrik Daily, erschienen Februar 2012)

Bild

Bevor ich dazu komme, wie ich meinen Fetisch auslebe, will ich kurz schildern, was mir wichtig ist. Ich mag es, wenn es sich leicht einführen läßt, ohne gleich in Arbeit auszuarten. Denn das garantiert auch das leichte Herausgleiten, bevor sich der Genuss ergießen kann. Auch darf er nicht zu hart sein. Zu hart ist schlecht, denn dann bleibt er zu gerne in der engen “Röhre” stecken und das kann sogar manchmal richtig weh tun. Aber warum Fetisch? Ganz einfach, zum einen sammle ich gerne, das ist eine Art Befriedigung, und ich mache Dinge gerne richtig, das erhöht für mich den Genuss.
Eigentlich gibt es nur eine einzige Art von Korkenziehern, die man verwenden sollte. Nämlich das sogenannte “Kellnerbesteck”. Warum? Ganz einfach. Es verfügt über ein kleines, ausklappbares Messer, mit dem man die Schutzkappe des Korkens sauber entfernen kann. Sicher, manche Weinflaschen haben dazu eine kleine Lasche, mit der man die Hülle entfernen kann, aber oft trennen die nicht sauber genug. Und das letzte, was passieren darf, ist, dass der Wein beim Einschenken über ein Stück der noch abstehenden Hülle fließt. Also klappt man das Messer aus, setzt einen sauberen Schnitt um den Flaschenhals und fertig. Der Hebelmechanismus des Kellnerbestecks garantiert dann beim Entkorken, dass man ohne viel Kraft vorgehen kann. Das ist ebenfalls wichtig, denn der normale Korkenzieher erfordert Kraft. Jeder kennt das Bild, die Flasche irgendwie zwischen Körperteile geklemmt und dann mit aller Gewalt den Korken herausgerissen. Dabei wird der Wein durchgeschüttelt, und das mag er nicht so gerne. Dazu läuft man Gefahr, die Spindel zu weit hineingedreht zu haben, dann bröselt Kork in den Wein, oder zu wenig tief, dann reißt er unter Umständen ab.
Kellnerbestecke gibt es in allen Varianten, mein Favorit ist seit Jahren das Kellnerbesteck von WMF. Es ist schön schwer, schafft auch recht festsitzende Korken, das Messer ist gut zu bedienen und mit gefällt das schlichte, aber massive Design. Er ist mit um die fünfzig Euro nicht ganz billig, aber jeden Cent wert. Fast jedes Kellnerbesteck verfügt auch noch über einen Kapselheber. Bei vielen funktioniert der aber eher schlecht, beim WMF jedoch absolut perfekt.

Hier ein Bild von meinem Favoriten:

WMF

Die Alternative zum Kellnerbesteck:

Eigentlich keine. Jedoch, es gibt Korken, die sind hart wie Stein. Bei denen kann selbst das stabilste Kellnerbesteck an seine Grenzen kommen, dann reicht der Hebel nicht mehr aus, um den Korken leicht und ohne Beschädigung herauszubekommen. In diesen seltenen Fällen kommt diese Variante zum Einsatz:

Hebel

Die beiden Hebelarme ziehen jeden Korken sicher heraus. Das einzige, worauf man beim Kauf achten muss, ist, dass die Spindel eine gerade Spitze hat. Eine gebogene Spindel muss man leicht schräg ansetzen, um sie dann nach der ersten Drehung senkrecht weiter bewegen zu können. Bei diesem Modell geht das nicht, da der Ring eben auf den Flaschenhals gesetzt wird. Ist die Spindel-Spitze gebogen, neigen steinharte Korken dazu, zu zerbröckeln. Bei einer senkrechten Spitze passiert das nicht. Diese Variante ist übrigens auch optimal für die sehr festsitzenden Korken in Schaumwein, z.B. Proseccoflaschen, bei denen das Kellnerbesteck meist auch zu schwach ist.

Hier noch ein paar Beispiele aus meiner Korkenziehersammlung, alles Modelle, die ich nicht wirklich benutze, aber eben sammle.

Ein Erbstück, durch die Schutzkappe auch gut für unterwegs geeignet:

Erbstück

Aus massivem Silber. Leider mit hässlichen Gummiringen, als Verschluss der Flasche gedacht, was natürlich völliger Unsinn ist:

Das Showgerät, sorgt für den Aha-Effekt am Tisch, da fast vollautomatisch die Spindel mit dem großen Griff “eingedreht” wird und im Gegenzug der Korken herauskommt und im letzten Schritt von der Spindel gestreift wird:

Show

Wenn ihr mal in Italien in der Nähe des bezaubernden Ortes Barolo unterwegs seid (ja, da kommt auch der gleichnamige Wein her), empfehle ich einen Besuch im dortigen Korkenziehermuseum:

Museum

Sodann, Zeit, eine gute Flasche zu entkorken und ein Glas zu genießen. Salute!

Sehr aufregend für mich war eine Anfrage einer italienischen Zeitschrift, die mich zu meinem gerade erschienenen Roman interviewt hat. Das Interview wurde auf italienisch geführt. Da es nicht in Deutschland erscheinen wird, darf ich einen von mir übersetzten Abdruck hier veröffentlichen.

F: Chiara, sind Sie nicht etwas zu jung für eine Biografie?

A: Ja, natürlich. Eine Biografie schreibt man eigentlich rückblickend, auf ein ganzes Leben. Soweit bin ich hoffentlich noch lange nicht. Ich würde es auch nicht Biografie nennen, ich sage lieber, es ist ein biografischer Roman.

F: Sie legen in Ihrem Roman einige Geheimnisse offen, zu Ihrer Person, aber auch Ihre Familie betreffend. War die Entscheidung dazu schwierig für Sie?

A: Ja, diese Entscheidung war sehr schwierig für mich. Ich habe auch lange gezögert, aber schließlich war es mir einfach wichtig, meine Geschichte zu erzählen. Es war wichtig für mich, aber auch wichtig für Alessandra, meine Nichte, die eine große Rolle im Roman spielt.

F: Weil Sie Alessandra gerade erwähnen, Sie haben, wie Sie am Ende des Buchs schreiben, einige Namen und Orte abgeändert, aber Alessandra scheint tatsächlich so zu heißen?

A: Ja. Ich habe das mit ihr besprochen und es war ihr eigener Wunsch, dass ich ihren Namen nicht ändere. Sie sagte mir, sie wolle nicht irgendwann ihren Kindern erklären müssen, warum im Buch nicht ihr richtiger Name steht.

F: Wie hat Ihre Familie auf das Buch reagiert?

A: Fast muss ich sagen, noch schlimmer, als ich es ohnehin erwartet hatte. Aber sie brauchen natürlich auch etwas Zeit, damit umzugehen. Zuerst, als es nur als Ebook erschien, waren sie schon ziemlich geschockt. Aber das war irgendwie noch nicht richtig greifbar. Nun ist die Taschenbuchausgabe erschienen und eine Veröffentlichung in Italien ist bereits fest geplant. Unser Verhältnis ist derzeit etwas…angespannt. Aber das wusste ich vorher.

F: Wann dürfen wir mit einer Veröffentlichung in Italien rechnen?

A: Ich werde mich nach Weihnachten nach einem Übersetzer umsehen, da ich bereits am zweiten Teil schreibe, kann ich es nicht selbst machen. Ich plane, circa im Frühjahr so weit zu sein, dass wir in Italien starten.

F: Warum haben Sie zuerst in Deutschland veröffentlicht?

A: Eine gute Frage. Als ich hierher kam, begann ich einen Blog zu schreiben. Ich habe mir einfach mein Heimweh von der Seele geschrieben. Irgendwann fing ich an, auch Teile aus meinem Leben darin zu veröffentlichen. Und immer mehr Menschen sagten plötzlich, sie wollten die ganze Geschichte hören. Und ich merkte, dass es mir gut tat, sie aufzuschreiben. Als mir dann klar wurde, dass letztlich alles hier in Deutschland begonnen hat, dachte ich mir, nun, warum nicht hier zuerst. Aber eine Veröffentlichung in Italien stand nie außer Frage. Die Reihenfolge hat sich einfach so ergeben.

F: In Deutschland dürfte niemand Ihre Familie näher kennen, zumal sie nur den Mädchennamen Ihrer Mutter verwenden. In Italien dagegen wird es nicht ganz so schwer sein, zu erraten, wer Sie sind. Wir haben natürlich auch schon die eine oder andere Idee…

A: Ja, das ist durchaus möglich. Andererseits hat es meine Familie über all die Jahre geschafft, sich, und vor allem auch uns Kinder, möglichst aus Presseberichten herauszuhalten. Unsere Regel Nummer eins, die für alle galt, war: nie irgendwelche öffentlichen Fotos. Sicher ist unser Familienname relativ bekannt. Aber den Zusammenhang zu mir herzustellen, nun, das ist eher unwahrscheinlich.

F: Sie leben derzeit in Deutschland, in München. Wie ist das Leben dort?

A: Deutschland ist ein ungeheuer beeindruckendes Land. Wäre ich nicht so kälteempfindlich, würde ich es noch viel mehr genießen. Aber, was es besonders angenehm macht, ist, dass die Deutschen absolut bescheidene Menschen sind. In jedem anderen Land, das über diese Wirtschaftsleistung, diesen hohen Standard und Lebenskomfort verfügte, würden die Menschen vor Stolz auf dem Kopf laufen. Die Deutschen dagegen sind sich dessen gar nicht bewusst. Eine Eigenschaft, die es sehr, sehr leicht macht, sich hier wohlzufühlen.

F: Lassen Sie uns über „Il Tedesco“ reden, der Deutsche, der Ihrem Buch den Titel gab. Wie hat er auf die Veröffentlichung reagiert?

A: Bis jetzt noch gar nicht. Wir hatten keinen Kontakt mehr, auch nicht, als ich nach Deutschland kam. Bis er mich dann über Twitter gefunden hat. Im Vorfeld, als er mitbekam, dass ich dieses Buch schreibe, war er nicht begeistert und hat versucht, mich davon abzuhalten. Aber ich denke, es gibt nichts darin, was ihn angreift, daher denke ich, es ist in Ordnung für ihn.

F: Am Ende des Buchs erwähnen Sie eine Fortsetzung, auch der Titel steht schon fest, ist dort zu lesen. “La Tedesca – Die Deutsche”. Meinen Sie damit sich?

A: Ja. Trotz italienischem Pass und wenig Erfahrung hier in Deutschland, kommt ein Teil meiner Wurzeln ja auch von hier. Und ich habe gemerkt, dass sich Herkunft nie verleugnen lässt. Natürlich hat mich mein Leben in Italien geprägt. Aber, ich merke immer wieder, dass ich auch sehr „deutsch“ reagieren kann, gerade in meinem Job. Und da ich hier, bis Alessandra im August zu mir gezogen ist, eigentlich nur deutsch gesprochen habe, mich mit Deutschen getroffen habe, wurde mein Leben teilweise eben auch das einer „Tedesca“. Darum wird es auch im zweiten Teil gehen, meine Erlebnisse, die ich hier hatte.

F: Stichpunkt zweiter Teil. Das wirft die Frage nach einem dritten Teil auf?

A: Ja, das ist richtig, einen dritten Teil habe ich ebenfalls bereits geplant. Auch da steht der Titel schon fest. Aber den verrate ich noch nicht, das erfahrt ihr am Ende von „La Tedesca“.

F: Chiara, danke, dass Du Dir die Zeit genommen hast, uns so ausführlich zu antworten. Wir wünschen Dir alles Gute.

A: Ich danke euch!

(Das Interview wird voraussichtlich Januar/ Februar 2014 in italienischer Sprache erscheinen.)

iL Tedesco – Der Deutsche ist soeben als Buch erschienen:

-> Taschenbuch

-> ebook

iL Tedesco

Wieder hab ich es nicht geschafft, die guten Vorsätze auch tatsächlich zu leben. Gestern war wieder einer dieser „Big-Points“, diese Termine, bei denen es ja jedesmal wieder um „den großen Deal“ geht. Wie ich es hasse! Wochenlange Vorbereitungen – und dann einen Termin zur Unterschrift, genau am Montag. Und, wie jedesmal, kommt am Freitag in letzter Sekunde noch ein Problem um die Ecke, mit einem großen Schild auf der Stirn: „Ich bin der Deal-Breaker“. Es lacht dir höhnisch ins Gesicht, stürzt die ganze Tagesplanung über den Haufen und schickt dich dann Freitagabend, wenn du alles versucht hast, in ein ungewisses Wochenende. Der Montag dann begann mit Magenschmerzen und einem Mammutprogramm, um den Fünfzehn-Uhr-Termin zu retten. Auf dem Weg zum Meeting dann gnadenloser Stau. Nervös auf das Lenkrad trommelnd, eine Zigarette nach der anderen aus dem Fenster blasend, blickt man um sich herum in andere angespannte Gesichter. Scheinbar fährt die ganze Welt entweder für wichtige Deals oder für wichtige Geschenke in die Innenstadt. Der Blick fokussiert sich nur noch auf den Abstand zum Vordermann. Nur keinen Millimeter verschenken, keinen reindrängen lassen, die Uhr ignorieren, die gnadenlos runterzählt, zum Meetingbeginn. Auch nach drei Jahren hier bin ich immer noch nicht orstkundig genug, die geheimen Schleichwege zu kennen. Nutze ich die Seitenstraßen, lande ich jedesmal fluchend in Sackgassen oder in noch mehr Stau. Beim Termin dann das Gute-Laune-Gesicht aufsetzen und jede Pause mit sinnlosem smalltalk füllen, damit nur ja keiner auf die Idee kommt, das Ganze doch noch platzen zu lassen. Natürlich geht, wie immer, alles glatt. Und, wie immer, verliert man Nerven, die einem wochenlang fehlen werden, bis sie sich regeneriert haben. Zurück am Auto dann, sieht man plötzlich die festlichen Lichter, mit denen sich die Stadt fein gemacht hat. Eine Weihnachtsdeko in einem Schaufenster fällt auf, der kleine beleuchtete Baum im Fenster einer Wohnung, ganz oben, wird einem plötzlich bewusst. Im Stau, zurück nach Hause, lächelt man plötzlich alle anderen an, die immer noch verbissen vor sich hin starren. Und dann kommt plötzlich die Erkenntnis. Was wäre gewesen, man hätte die ganzen vier Tage gelächelt? Sich gar keine Sorgen gemacht? Keine Ängste gehabt? Keine Nerven verloren? Wie einfach hätte man es haben können, hätte man einfach vertraut.
Aber das nächste Mal, das nächste Mal schaffe ich das. Ganz bestimmt.

xmas

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 13.805 Followern an

%d Bloggern gefällt das: