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Archive for the ‘HEIMATURLAUB Ostern 2011’ Category

Tag 1 Abend und Tag 2

Am Abend fahre ich in die Hügel zu meinem Elternhaus. Es ist schön, in die Hügel hinter Ravenna zu kommen. Die Wiesen sind sattgrün, teilweise sind die Felder bereits das erste Mal in dieser Saison abgeerntet. Im August, wenn in Nordeuropa die Saison noch läuft, ist es bei uns längst zu heiß und die Landschaft bereits wieder erdig braun und verbrannt.

Die letzte Steigung, die letzte Kurve, dann fahre ich durch das steinerene Tor und ein paar unserer Hunde begleiten bellend die letzten Meter bis zum Platz vor dem Hof. Meine Eltern warten schon draußen, und das Spiel vom Vortag wiederholt sich, umarmen, abküssen, heulen.
Natürlich haben wir jeden Tag telefoniert, natürlich wissen sie alles haarklein, aber dennoch muss ich nochmal alles erzählen, jede Einzelheit berichten und werde immer wieder geherzt und abgeküsst.

Unter dem Vordach des Haupthauses ist die große Tafel gedeckt und ich weiß, dass bestimmt seit zwei Tagen alles mögliche vorbereitet wurde. Vom Teig für die Nudeln fatto in casa, über die Salate, Beilagen, Fleisch, und Nachspeisen. Die Tafel ist für mindestens 20 Leute eingedeckt, die ganze Familie kommt, um mich zu begrüßen. Wir essen bis weit nach Mitternacht, es gibt unendlich viele Vorspeisen, Nudeln, natürlich, mit verschiedenen Soßen, danach kalte Fleisch- und Wurstplatten, als Hauptgericht Wildschweinragout in Rotweinsoße, das ich liebe, unzählige Desserts und natürlich Wein ohne Ende.

Als um zwei Uhr morgens die letzten Gäste gegangen sind, stehe ich in meinem Zimmer am Fenster und atme die Luft der Wälder und der Weinberge ein – eine erdige, würzige Luft, wie ich sie sonst noch nirgends gerochen habe. Ich lasse das Fenster auf, es ist zwar noch kalt nachts, aber ich freue mich so, die vertrauten Geräusche zu hören, das rauschen der Blätter, die Tiere, den Duft, all das habe ich in München so vermisst, wo ich nur die Geräusche der Großstadt vor meinem Fenster hatte.

Am Morgen wache ich früh auf und sehe weit am Horizont die Sonne aus dem Meer tauchen. Das Meer selbst ist nicht zu erkennen, der Morgendunst lässt den Horizont mit der Wasserkante verschmelzen, während die Sonne wie ein Feuerball daraus auftaucht.

Ich laufe draußen in die Weinberge und klettere, begleitet von zwei Hunden, den steilen Pfad nach oben. Von hier sieht man wundervoll auf unseren Hof und die sanft abfallenden Hänge bis hinunter zum Meer.

Das Frühstück nehme ich unter dem Vordach ein, Espresso und Hörnchen, die meine Mutter frisch gebacken hat. Es ist immer noch ganz still, ein paar Vögel zwitschern, in der Ferne bellt ein Hund. Ich betrachte die alte Natursteinfassade, den alten Pizzaofen, den Pool, der nicht mehr befüllt wird, seit wir Kinder aus dem Haus sind und weiß, dass ich eines Tages hierher zurückkehren werde.

Zu Mittag bin ich mit Freunden in Casal Borsetti verabredet, so fahre ich die Küste entlang und bedauere, dass ich mein Cabrio in München gelassen habe, die Sonne brennt bereits hochsommerlich und fast jedes Bagno hat bereits für den Osteransturm geöffnet.
Casal Borsetti ist ein kleines Dorf, das die Kette der Orte an der Küste Richtung Norden abschließt. Nachdem man durch das mondäne Marina di Ravenna gefahren ist, muss man mit der Motorfähre den Kanal überqueren, der das Meer mit dem Industriehafen von Ravenna verbindet, danach durchquert man Marina di Romea und nach einer Weile Niemandsland erreicht man Casal Borsetti.
Direkt am Strand treffen wir uns in einem kleinen Fischrestaurant direkt am Pier. Meine Lieblingsvorspeise, Spaghetti mit Venusmuscheln, ist schnell bestellt, beim Hauptgericht dauert es länger, ich lehne verschiedene Vorschläge ab und schließlich einigen wir uns auf Tintenfisch und Garnelen vom Grill, aber wir können uns über die Zubereitung nicht einigen und diskutieren endlos. Das ausländische Paar am Nebentisch wird schon ganz nervös, weil sie auch gerne bestellen wollen, aber der Wirt ignoriert sie und versucht mich von seinem Rezept zu überzeugen. Wir verständigen uns schließlich, und als er sich dem Nachbartisch zuwendet, gehen die Gäste wütend aus dem Lokal. Daraufhin grinst er mich an, zuckt mit den Schultern und ich weiß wieder, was mir so gefehlt hat.
Wir essen bestimmt zwei Stunden und dann gehe ich nach draußen, um zu rauchen und setze mich auf eine Mauer in die Sonne und plötzlich ist es da, dieses Gefühl, wenn sich die Seele ganz vom Körper löst, man keinerlei Unwohlsein mehr verspürt, einfach nur im hier und jetzt ist, rundum zufrieden, zufrieden, einfach nur da zu sein. Ein Gefühl, dass mir in Deutschland völlig verloren gegangen war.

Wir laufen über den Strand und dann sehen wir den Anglern am Pier zu. Sie haben noch nichts gefangen, ausser ein paar mickrigen Sardinen, aber zwei von ihnen diskutieren bereits lautstark das beste Rezept, um den Fang am Abend zuzubereiten.

Als ich zurück zu meinem Haus am Meer komme, muss ich mich schon durch die ersten Staus kämpfen, ganz Italien verbringt Ostern am Meer, aber dazu erzähle ich morgen mehr.

Ich bin zum Aperitifo bei Paolo verabredet, danach gehts zum Abendessen in ein Restaurant auf dem Land, das ich noch nicht kenne.

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Tag 1 – Abreise und Ankunft

Ich verlasse München gegen halb neun Uhr Abends und bin in Hochstimmung, endlich darf ich nach Hause, wenn auch nur für eine Woche.
In Kufstein bin ich in einer dreiviertelstunde, am Brenner bereits nach zwei Stunden, und als ich das Grenzschild zu Italien sehe, bekomme ich Gänsehaut am ganzen Körper. Obwohl ich kaum geschlafen habe, bin ich so aufgedreht, dass ich die kurvige Autobahn in Südtirol ohne große Pause durchfahre. Zwei kurze Kaffestops genügen mir. Erst bei Verona werde ich langsam so müde, dass ich ein wenig schlafen muss.
Durch die Poebene führt mich der Mond, mit dem ich fast alleine auf der Strecke bin und gegen fünf Uhr morgens tanke ich, kurz bevor die Autobahn endet, an der letzten Tankstelle.

Ich wollte unbedingt zum Sonnenaufgang am Meer sein und als ich gegen halb sechs aus dem Auto steige, bin ich tatsächlich rechtzeitig da.
Es ist kalt und die Übermüdung tut ihr Übriges, so dass ich frierend das kurze Stück zum Leuchtturm laufe, an dem ich so oft war.
Tränen laufen mir übers Gesicht, als ich endlich wieder aufs Meer blicken darf und obwohl mir so kalt ist, bleibe ich fast eine Stunde und stehe einfach so da und kann es kaum glauben.

Dann fahre ich in mein Haus und lasse meine Tasche im Wohnzimmer einfach fallen, laufe durch alle Räume, schaue mir alles an, und obwohl es so klein ist hier, fast eng, und obwohl ich jetzt Monate in dieser viel zu großen Wohnung war, fühle ich mich sofort wieder Zuhause.

Ich dusche und dann gehe ich zurück zum Strand und Mario schließt gerade sein Bagno auf und als er mich kommen sieht strahlt er und ich renne los und fliege in seine Arme und er küßt mich ab und ich muss schon wieder heulen. Ich bekomme Caffè und ein Hörnchen mit Puddingfüllung, das klassische italienische Frühstück – elend ungesund, aber einfach unübertroffen.

Ich bin um 13.00 Uhr mit Freunden bei „Da Carlo“ verabredet, zum Mittagessen. Das fällt mir wieder ein, als ich gegen halb eins aufwache. Ich hatte mich hingelegt, und jetzt fühle ich mich, als hätte ich einen Jetlag. Hektisch springe ich ins Bad und weiß, dass ich das nie schaffen werde, bis eins. Ich merke, wie mein Puls steigt, bis mir plötzlich einfällt, dass ich Zuhause bin, in Italien. Eine Verabredung um eins ist eine ungefähre Zeitangabe. Niemand erwartet von mir, dass ich pünktlich da bin, niemand wird ärgerlich, wenn ich mich verspäte. Ich muss grinsen, schalte einen Gang zurück und komme irgendwann gegen halb zwei bei Da Carlo an. Das Restaurant liegt direkt am Strand, es gibt hier den besten Fisch an der ganzen Küste. Ich sage das nicht nur, weil Carlo mein Onkel ist – aber natürlich spielt es auch eine Rolle.
Meine Freunde sitzen draußen, an den Tischen, die direkt am Strand stehen und einen wundervollen Blick aufs Meer bieten. Als mich Carlo sieht, werde ich wieder abgeküßt, ich heule wieder und weiß jetzt schon, dass sich dieses Spiel die ganzen nächsten Tage wiederholen wird. Onkel Carlo bringt mir zuerst eine Vorspeise (er nennt es so), einen riesen Teller mit frittiertem gemischten Fisch, und danach gegrillte Tintenfische und wir reden alle durcheinander und ich beantworte tausende von Fragen und durch die Übermüdung und die vielen Eindrücke achte ich nicht so darauf, und plötzlich merke ich, dass ein Liter Wein mich doch heftig wegzubeamen beginnt, und ich versuche mit sehr viel Espresso gegenzusteuern und schließlich bin ich so satt und so voll, dass ich mich kaum mehr rühren kann und fühle mich so wohl wie schon lange nicht mehr.
Vom Lokal gehen wir an den Strand und die Ersten schwimmen bereits im Meer und ich ziehe meine Schuhe aus und genieße dieses gefühl, dass so lange Zeit für mich selbstverständlich gewesen war, bis ich fortgegangen bin.

Am Nachmittag schaue ich bei Paolo vorbei, in meiner Bar, in der ich jeden Tag zwei bis dreimal bin, und natürlich folgt dem Abküssen und heulen auch hier ein Glas Wein und ein üppiger Aperitivo.

Heute Abend fahre ich auf unseren Hof, dort treffe ich meine Familie, Verwandte, Bekannte – zu einem großen Abendessen. Es wird spät werden und ich werde dort in meinem alten Zimmer schlafen Aber dazu morgen mehr.

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