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Posts Tagged ‘il Tedesco’

Sehr aufregend für mich war eine Anfrage einer italienischen Zeitschrift, die mich zu meinem gerade erschienenen Roman interviewt hat. Das Interview wurde auf italienisch geführt. Da es nicht in Deutschland erscheinen wird, darf ich einen von mir übersetzten Abdruck hier veröffentlichen.

F: Chiara, sind Sie nicht etwas zu jung für eine Biografie?

A: Ja, natürlich. Eine Biografie schreibt man eigentlich rückblickend, auf ein ganzes Leben. Soweit bin ich hoffentlich noch lange nicht. Ich würde es auch nicht Biografie nennen, ich sage lieber, es ist ein biografischer Roman.

F: Sie legen in Ihrem Roman einige Geheimnisse offen, zu Ihrer Person, aber auch Ihre Familie betreffend. War die Entscheidung dazu schwierig für Sie?

A: Ja, diese Entscheidung war sehr schwierig für mich. Ich habe auch lange gezögert, aber schließlich war es mir einfach wichtig, meine Geschichte zu erzählen. Es war wichtig für mich, aber auch wichtig für Alessandra, meine Nichte, die eine große Rolle im Roman spielt.

F: Weil Sie Alessandra gerade erwähnen, Sie haben, wie Sie am Ende des Buchs schreiben, einige Namen und Orte abgeändert, aber Alessandra scheint tatsächlich so zu heißen?

A: Ja. Ich habe das mit ihr besprochen und es war ihr eigener Wunsch, dass ich ihren Namen nicht ändere. Sie sagte mir, sie wolle nicht irgendwann ihren Kindern erklären müssen, warum im Buch nicht ihr richtiger Name steht.

F: Wie hat Ihre Familie auf das Buch reagiert?

A: Fast muss ich sagen, noch schlimmer, als ich es ohnehin erwartet hatte. Aber sie brauchen natürlich auch etwas Zeit, damit umzugehen. Zuerst, als es nur als Ebook erschien, waren sie schon ziemlich geschockt. Aber das war irgendwie noch nicht richtig greifbar. Nun ist die Taschenbuchausgabe erschienen und eine Veröffentlichung in Italien ist bereits fest geplant. Unser Verhältnis ist derzeit etwas…angespannt. Aber das wusste ich vorher.

F: Wann dürfen wir mit einer Veröffentlichung in Italien rechnen?

A: Ich werde mich nach Weihnachten nach einem Übersetzer umsehen, da ich bereits am zweiten Teil schreibe, kann ich es nicht selbst machen. Ich plane, circa im Frühjahr so weit zu sein, dass wir in Italien starten.

F: Warum haben Sie zuerst in Deutschland veröffentlicht?

A: Eine gute Frage. Als ich hierher kam, begann ich einen Blog zu schreiben. Ich habe mir einfach mein Heimweh von der Seele geschrieben. Irgendwann fing ich an, auch Teile aus meinem Leben darin zu veröffentlichen. Und immer mehr Menschen sagten plötzlich, sie wollten die ganze Geschichte hören. Und ich merkte, dass es mir gut tat, sie aufzuschreiben. Als mir dann klar wurde, dass letztlich alles hier in Deutschland begonnen hat, dachte ich mir, nun, warum nicht hier zuerst. Aber eine Veröffentlichung in Italien stand nie außer Frage. Die Reihenfolge hat sich einfach so ergeben.

F: In Deutschland dürfte niemand Ihre Familie näher kennen, zumal sie nur den Mädchennamen Ihrer Mutter verwenden. In Italien dagegen wird es nicht ganz so schwer sein, zu erraten, wer Sie sind. Wir haben natürlich auch schon die eine oder andere Idee…

A: Ja, das ist durchaus möglich. Andererseits hat es meine Familie über all die Jahre geschafft, sich, und vor allem auch uns Kinder, möglichst aus Presseberichten herauszuhalten. Unsere Regel Nummer eins, die für alle galt, war: nie irgendwelche öffentlichen Fotos. Sicher ist unser Familienname relativ bekannt. Aber den Zusammenhang zu mir herzustellen, nun, das ist eher unwahrscheinlich.

F: Sie leben derzeit in Deutschland, in München. Wie ist das Leben dort?

A: Deutschland ist ein ungeheuer beeindruckendes Land. Wäre ich nicht so kälteempfindlich, würde ich es noch viel mehr genießen. Aber, was es besonders angenehm macht, ist, dass die Deutschen absolut bescheidene Menschen sind. In jedem anderen Land, das über diese Wirtschaftsleistung, diesen hohen Standard und Lebenskomfort verfügte, würden die Menschen vor Stolz auf dem Kopf laufen. Die Deutschen dagegen sind sich dessen gar nicht bewusst. Eine Eigenschaft, die es sehr, sehr leicht macht, sich hier wohlzufühlen.

F: Lassen Sie uns über „Il Tedesco“ reden, der Deutsche, der Ihrem Buch den Titel gab. Wie hat er auf die Veröffentlichung reagiert?

A: Bis jetzt noch gar nicht. Wir hatten keinen Kontakt mehr, auch nicht, als ich nach Deutschland kam. Bis er mich dann über Twitter gefunden hat. Im Vorfeld, als er mitbekam, dass ich dieses Buch schreibe, war er nicht begeistert und hat versucht, mich davon abzuhalten. Aber ich denke, es gibt nichts darin, was ihn angreift, daher denke ich, es ist in Ordnung für ihn.

F: Am Ende des Buchs erwähnen Sie eine Fortsetzung, auch der Titel steht schon fest, ist dort zu lesen. „La Tedesca – Die Deutsche“. Meinen Sie damit sich?

A: Ja. Trotz italienischem Pass und wenig Erfahrung hier in Deutschland, kommt ein Teil meiner Wurzeln ja auch von hier. Und ich habe gemerkt, dass sich Herkunft nie verleugnen lässt. Natürlich hat mich mein Leben in Italien geprägt. Aber, ich merke immer wieder, dass ich auch sehr „deutsch“ reagieren kann, gerade in meinem Job. Und da ich hier, bis Alessandra im August zu mir gezogen ist, eigentlich nur deutsch gesprochen habe, mich mit Deutschen getroffen habe, wurde mein Leben teilweise eben auch das einer „Tedesca“. Darum wird es auch im zweiten Teil gehen, meine Erlebnisse, die ich hier hatte.

F: Stichpunkt zweiter Teil. Das wirft die Frage nach einem dritten Teil auf?

A: Ja, das ist richtig, einen dritten Teil habe ich ebenfalls bereits geplant. Auch da steht der Titel schon fest. Aber den verrate ich noch nicht, das erfahrt ihr am Ende von „La Tedesca“.

F: Chiara, danke, dass Du Dir die Zeit genommen hast, uns so ausführlich zu antworten. Wir wünschen Dir alles Gute.

A: Ich danke euch!

(Das Interview wird voraussichtlich Januar/ Februar 2014 in italienischer Sprache erscheinen.)

iL Tedesco – Der Deutsche ist soeben als Buch erschienen:

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iL Tedesco

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…nachdem ich die Baugenehmigung für unser Haus hatte, gab es für mich praktisch kein anderes Ziel mehr, als es bis Weihnachten fertig zu bekommen. Ich musste mich vierteilen, denn das Borgo, unser Verkaufsprojekt, hatte natürlich Vorrang. Zumindest für Dieter. Ich dagegen zog gelegentlich Arbeiter von dort ab, um sie bei unserem Haus einspringen zu lassen. Normalerweise rechnet man für eine Restaurierung circa ein Jahr. Alleine das Entkernen der Ruinen dauert schon viele Wochen. Eigentlich. Ich bezirzte jeden Handwerker, für mich Sonderschichten einzulegen, erstellte aberwitzige Zeitpläne, die eigentlich völlig unrealistisch waren und garantiert dazu führen würden, dass einige Gewerke miteinander kollidieren mussten. Aber ich liebe Chaos, und so war ich vollkommen in meinem Element. Ich hatte drei Handys, weil immer eines entweder leer war oder ich eines verlegte, schlief fast nicht mehr und pendelte nur noch zwischen der Baustelle auf dem Borgo und unserem Haus hin und her.

Als die Arbeiter das ganze Gestrüpp rund um unserer Haus mit dem Raupenbagger entfernten und all den Unrat aus dem Haus schafften, der es vorher fast unbegehbar gemacht hatte, stellte sich auch noch heraus, dass die Grundrisse vom Katasteramt wie immer falsch waren. Natürlich war auch dieses Haus in den vielen Jahrzehnten immer wieder angebaut und verändert worden. Teilweise wohl zu einer Zeit, als es noch kein Kataster gegeben hatte, und später natürlich einfach ohne Genehmigung und somit auch ohne Pläne. Was man vorher unmöglich hatte erkennen können, war, dass unser Haus gar keinen quadratischen Grundriss hatte. Irgendwann waren zwei kleine Seitenflügel angebaut worden, offensichtlich so unauffällig, dass man es von weitem nicht gleich erkennen konnte. Dadurch war in der Mitte eine Art Innenhof entstanden, der zur Hangseite hin offen war. Das war natürlich traumhaft, bedeutete aber, dass meine ganzen Pläne für die Mülltonne waren. Ich musste die gesamte Innenaufteilung neu planen, alle Zimmer neu anordnen und auch alle Installationen für die Bäder neu einteilen. Aber auch das war mir egal. Die neue Aufteilung war viel schöner, als mein erster Entwurf, und im Erdgeschoss entstand so ein weiterer Raum, den es vorher in meiner Planung nicht gegeben hatte.

Jetzt kam man zu einem der drei Eingänge direkt in die riesige Wohnküche, die fast den gesamten Erdgeschossbereich einnahm. Im Querflügel hatte ich die Innentreppe eingeplant. Viele Häuser haben nur Aussentreppen, da unten früher nur die Ställe gewesen waren, als die Häuser noch als Bauernhöfe genutzt wurden. Am Ende dieses Querflügels war das Zimmer, das vorher gar nicht existiert hatte. Ein großer Raum, der fast halb in den Hang gebaut worden war. Zur Talseite hin konnte man direkt auf die Terrasse treten, auf der gegenüberliegenden Seite war ein Rundbogen, archaisch gemauert, der die Dicke der Mauer von fast einem Meter erkennen ließ. Dahinter war der Hang, der das Haus an dieser Seite begrenzte. Ich konnte mir nicht erklären, warum man diese Türe zugemauert hatte, sicher war dahinter die Cantina, der Keller, für Lebensmittel und Wein gewesen. Aber das Geheimnis würden wir später lüften, wenn wir die Wand aufbrachen.

Zu neugierig wäre ich gewesen, was sich dahinter wohl verbergen würde. Der Rundbogen der ehemaligen Türe war so sorgfältig gemauert, ganz unüblich nur für den Zugang zu einer Cantina. Der erste Schritt bei einer Restaurierung ist immer, alle Räume sandzustrahlen. Dabei lösen sich alle Farb- und Putzreste von den Wänden, die Balken werden von ihrer äussersten Schmutzschicht befreit und man sieht danach viel besser, wo marode Stellen an Mauern, Dach oder Balken sind. Als der Arbeiter diesen Raum mit dem Sandstrahler fertig bearbeitet hatte, wartete ich, bis sich der Staub soweit gelegt hatte, das man wieder etwas erkennen konnte. Und als ich dann im Zimmer stand, und auf den Rundbogen sah, war ich fassungslos. Auf der Mauer zeichnete sich die Figur eines Engels ab. Ganz in weiß. Ein Engel, der waagrecht in der Luft zu schweben schien, die Arme nach vorne ausgestreckt hatte und dort etwas hielt, das mit etwas Phantasie eine Kerze sein könnte. Der Arbeiter war neben mich getreten.
„Ich habe keine Ahnung, was das ist. Ich bin dreimal über die Stelle gegangen, es lässt sich nicht entfernen.“
Ich nickte und trat näher heran. Als ich mit der Hand über die Zeichnung strich, ganz behutsam, konnte ich nicht ausmachen, was es war. Man fühlte keine Farbe, die sich leicht abheben würde. Die Stelle war auch nicht glatter, so dass man an Säure hätte denken können. Es war mir ein absolutes Rätsel. Es schien, als sei das Bild so tief in den Felsen eingebrannt – „als würde es von innen kommen“, ging mir kurz durch den Kopf. Ich weiß bis heute nicht, was das war, aber ich beschloss damals, dass wir den Durchgang zugemauert lassen und das Bild nicht zerstören. Nun würde ich dieses Geheimnis wohl nie mehr lüften…

iL Tedesco – Der Deutsche ist soeben als Buch erschienen:

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Ich bin fertig. Gerade eben habe ich mein Buch beendet. Meine Geschichte, oder zumindest einen Teil davon. Dieses Gefühl, es ist unbeschreiblich. Zwischendurch dachte ich, ich zerbreche daran, das alles aufzuschreiben. Und jetzt sitze ich hier, heule wie verrückt. Aus Freude, aus Trauer, aus Erleichterung, aus Dankbarkeit. Ein Gefühlsmix, der sich neu anfühlt. Aber der wunderschön ist.

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…Dieter wohnte in einem kleinen Stadthäuschen im Dorf, in das ich mich sofort verliebte. Diese schmalen, hohen Häuser „stapeln“ ihre Zimmer über mehrere Stockwerke aufeinander. Im Erdgeschoss war die Wohnküche und ein Bad, darüber, im ersten Stock, das Wohnzimmer, darüber ein kleines Arbeitszimmer und ganz oben das Schlafzimmer. Das Haus lag in der ehemaligen Stadtmauer, mit meterdicken Wänden und zur ortsabgewandten Seite mit einem atemberaubenden Blick bis ans Meer. Er hatte das Dach aufgeschnitten – wofür er garantiert niemals eine Genehmigung bekommen hatte – und so eine kleine Dachterrasse geschaffen, winzig, aber auf ihr hatte man das Gefühl, über dem Land zu schweben.
In meiner ersten Nacht dort bei ihm schlief Dieter auf der Couch im Arbeitszimmer und überließ mir sein Bett. In der zweiten Nacht schlief ich mit ihm auf der Couch und in der dritten Nacht teilten wir uns, als wäre es nie anders gewesen, das Schlafzimmer.
Ich war nie zuvor mit einem ausländischen Mann zusammen und Dieter überraschte mich mit seiner Art, die ich so nie an einem Mann kennengelernt hatte. Er war so aufmerksam, behutsam, liebevoll zu mir, keine Spur vom Macho-Getue, das ich von Stefano und anderen Männern davor gewohnt war.
Ich hatte keine Lust auf eine Auseinandersetzung mit Stefano oder Diskussionen mit meinen Eltern und so teilte ich ihnen einfach mit, ich sei zurzeit am Borgo unabkömmlich und werde eine Weile bleiben. Dieter und die wundervolle Gegend verzauberten mich so, dass ich mich zum ersten Mal richtig frei und ungebunden fühlen konnte. Es war wie ein völlig neues Leben. Dieter war im Dorf beliebt, alle mochten „il Tedesco“- den Deutschen -wie sie ihn nannten. Seine ruhige, zuverlässige Art kam gut an. Nun, mit mir an seiner Seite, schien alles perfekt. „Er hat sich endlich eine Frau gesucht“, erzählten sie sich in der Bar. Alle schienen teilzuhaben an unserem Glück. Wir wurden zu jedem Familienfest eingeladen, unser Freundeskreis wuchs und wuchs und wir fühlten uns beide, als hätten wir nie etwas anderes gemacht, als in dieser Dorfgemeinschaft zu leben.
Wir arbeiteten viel an unserem Projekt, dem Borgo, alles verschmolz ineinander, wir waren vierundzwanzig Stunden am Tag zusammen und genossen es. Wir diskutierten morgens beim Frühstück über Bauabschnitte, liebten uns tagsüber in dem kleinen Wald neben dem Borgo. Es gab keinen Feierabend, dafür aber auch keinen festgelegten Arbeitsbeginn. Mal hatten wir sonntags einen Geschäftstermin und fuhren montags spontan einen Tag ans Meer. Mein Leben wurde zu einem ruhigen, steten Fluß in dem ich mich mit Freude treiben ließ. Meine Albträume verschwanden und ich war so glücklich, wie ich mich nicht erinnern konnte, je zuvor gewesen zu sein.

Es ist seltsam. Ich schreibe diesen Teil der Geschichte an dem Haus, das Dieter und ich für uns gekauft und restauriert haben. Der Ort, an dem ich die glücklichste Zeit meines Lebens verbracht habe. Das Haus, das bald nicht mehr meines sein wird, da ich meinen Anteil daran ihm gebe, um mit der Vergangenheit abzuschließen. Aber ich spüre wieder dieses warme Gefühl, das ich damals in mir hatte – und muss gerade lächeln.

Unser Projekt, das Borgo, wurde ein voller Erfolg. Wir hatten es in Deutschland inseriert und viele Interessenten kamen. Ich zeigte den Deutschen die Gegend, erklärte ihnen die Möglichkeiten, die wir mit der Restaurierung hatten, und Dieter erläuterte die Kaufabwicklung. Die meisten Kunden liebten uns genauso wie die Dorfbewohner und wir lagen weit vor der eigentlichen Planung was den Abverkauf anging.

An einem Sonntag Nachmittag bestand Dieter auf einen Ausflug. Ich war müde, hatte keine Lust, aber er drängelte so lange, bis ich endlich mitfuhr. Er wollte mir nicht verraten, wo er hin wollte. Wir fuhren durch diese wundervolle Landschaft, immer weiter in die Hügel und plötzlich machte er auf der Landstraße eine Vollbremsung, fluchte, setze ein Stück zurück und bog in einen Feldweg ein, der kaum zu erkennen gewesen war. Der Weg war völlig eingewachsen und er musste den Allrad zuschalten, um das letzte Stück zu schaffen. Eine letzte Kurve und dann hielt er auf einem kleinen Plateau. Eine großes altes Herrschaftshaus stand hier. Was für eine Lage. Es thronte auf dem Hügel, der Blick in alle Richtungen war atemberaubend. Er setzte an, etwas zu sagen, aber ich war schon aus dem Auto gesprungen, bestaunte das Haus, das mindestens 200 Jahre alt sein musste. Wie ich diese alten Ruinen liebe. Es war in einem furchtbar schlechten Zustand, das Dach fast völlig eingebrochen, keine Fensterrahmen mehr, überall Löcher in den Außenmauern, sogar einige Risse, vermutlich von Erdbeben. Ringsherum wucherte das Unkraut meterhoch. Ich stand einfach da, überwältigt. In Gedanken ging ich schon die Aufteilung der Räume durch, versuchte zu erkennen, ob noch Dachbalken zu gebrauchen waren, welche Farbe passen würde. Dieter war leise von hinten an mich herangetreten, legte seine Arme um mich.
„Lass es uns kaufen, Chiara. Und hier leben. Lass es für immer sein.“
Ich erschrak. Ein Haus kaufen? Zusammen? Das war eine schwerwiegende Entscheidung. Meine Familie fiel mir ein und ganz kurz, bevor er mein Zögern bemerken konnte, dachte ich daran, wie ich ihn bei unserer ersten Begegnung zurückgestoßen hatte. Und das wollte ich nicht noch einmal tun, und so drückte ich mich einfach ganz fest an ihn und vergrub meinen Kopf an seiner Brust, so dass er meine Tränen nicht sah.

Ich war noch völlig aufgewühlt, als wir zurück ins Dorf kamen und als er gerade den Schlüssel ins Schloß steckte, klingelte das Telefon. Ich sprintete an ihm vorbei, um den Anruf nicht zu verpassen, denn nichts nervt mich mehr, als nicht zu wissen, wer angerufen hat. Es war….mein Vater. Ich hatte ihn lange nicht gesprochen, nur ein paar Mal kurz mit Mama telefoniert. Papa war ich aus dem Weg gegangen. Er ist Sizilianer, und er rastet noch schneller aus als ich, was wirklich etwas heißen will.
„Ciao Chiara“, staubtrocken.
„Ciao Papà“, distanziert.
„Es wird Zeit, dass Du nach Hause kommst. Wir müssen reden.“
Ich schwieg lange, bis ich ein „Si, Papà“ rauspresste.
Ich würde hinfahren müssen. Noch länger konnte ich es nicht aufschieben. Und mir war klar, was ich zu hören bekommen würde…

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