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Posts Tagged ‘Italien’

Chiara bereitet sich gerade gelassen auf einen schönen Sommer in ihrer Heimat vor,
als ihre Familie ein Anruf erreicht, der weit aus der Vergangenheit ihrer sizilianischen Wurzeln rührt.

Ein alter Mafiaboss liegt im Sterben und bittet Vittorio, Chiaras Vater, um einen letzten großen Gefallen. Doch Vittorio weigert sich, diese Bitte zu erfüllen. Zu tief sitzt, trotz ihrer Aussöhnung, noch der Schmerz, den ihm Carlos Inzigniano einst zugefügt hat. Als Chiara erkennt, welche Gefahr droht, wenn ein längst vergessen geglaubtes Geheimnis ihrer Familie ans Licht kommt, reist sie kurzentschlossen selbst nach Sizilien, um die Dinge dort im Sinne ihrer Familie zu regeln.

Weder Carlos noch die anderen Beteiligten sind zunächst bereit, ihr aller Schicksal in die Hände einer jungen Frau zu legen. So stößt sie auf eine Mauer des Schweigens und bekommt den Spott einiger junger Paten zu spüren, als sie versucht, Licht ins Dunkel zu bringen.

Eine alte Kirche, die restauriert werden soll, scheint der Schlüssel zu dem Geheimnis zu sein, um das sich alles dreht. Ein pensionierter Kommissar gibt Chiara genauso Rätsel auf wie viele andere, sehr spezielle, teils skurrile Charaktere, die versuchen, ihr den einen oder anderen Stein in den Weg zu legen.
Und obwohl es diesmal gilt, die Familie vor Unheil zu bewahren, lässt sie es sich, wie immer, nicht nehmen, quasi im Vorbeigehen, das eine oder andere bezaubernde Lokal zu entdecken, ein Glas Wein zu genießen und den Blick für die schönen Seiten ihrer Heimat nicht zu verlieren.
Schließlich findet sie in einem jungen Polizisten einen Verbündeten, der ihr hilft, ganz tief in der Vergangenheit zu graben und sich allen Herausforderungen zu stellen.

Chiaras sizilianisches Blut ist diesmal auf dem absoluten Siedepunkt. Am tiefsten Ursprung ihrer Wurzeln kommt sie oft an ihre Grenzen.
Mafia ist nicht lustig – und dennoch findet sie den Spagat zwischen nachdenklichen Tönen und dem notwendigen Augenzwinkern, als sie versucht, einem alten Paten seinen letzten Wunsch zu erfüllen.

Ein alter Pate, ein hartnäckiger Kommissar, ein ehrgeiziger Polizist. Die Hitze Siziliens, die sich in den engen Gassen staut und kaum Luft lässt, zu atmen.
Chiara ist diesmal kurz davor, den Überblick zu verlieren, legt sich mit der Mafia an, trickst die Behörden aus und verliert um ein Haar ihr Herz. Begleiten Sie Chiara auf ihrer Reise nach Sizilien – in einen heißen Frühsommer, der nicht nur Hochspannung, sondern auch jede Menge Romantik verspricht.

Den Trailer zum Buch findet ihr hier: KLICK ZUM TRAILER

Cover

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Habt ihr Lust auf ein schnelles Spiel, ganz kurz vorm Jahreswechsel? Okay, ich verlose noch eine von mir handsignierte Ausgabe meines Romans „iL Tedesco – Der Deutsche“.

Jeder, der mir bis zum 31.12.2014, 23.59 Uhr folgende Frage beantwortet, nimmt an der Verlosung teil:

Wie heißt die Bahnstation, an der meine Mutter in Italien ankommt, bei ihrem ersten Besuch im Land?

Die Antwort findet ihr im Prolog des Romans. Wer ihn noch nicht hat, muss ihn nicht extra kaufen. Einfach unter http://www.amazon.de/dp/B00GY3Z2BE
auf „Blick ins Buch“ klicken und den Prolog lesen.

Mailt mir eure Antwort an: chiaras_buch@yahoo.com

Ich freue mich auf eure Teilnahme und wünsche jedem viel Erfolg

eure

Chiara Ravenna

P.S. Noch ein paar Hinweise: der Rechtsweg ist natürlich ausgeschlossen, die Ziehung erfolgt im Losverfahren, die Lose wird Alessandra ziehen. Die Gewinner werden von mir per e-mail benachrichtigt. Bis zur Ziehung speichere ich alle eingehenden Mails, nach der Ziehung lösche ich selbstverständlich alle Einsendungen. Auch versichere ich, dass ich die Mailadressen der Einsender weder weitergebe, noch von mir aus benutze, außer für die Gewinnbenachrichtigung.

iL Tedesco – Der Deutsche ist soeben als Buch erschienen:

-> Taschenbuch

-> ebook

-> ibooks-Apple

Buch-signiert

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Heute Morgen schrieb ich auf Twitter, dass ich meine Augenringe nach einer
schlaflosen Nacht dem Sturm in München, der schwülen Luft und dem kommenden Vollmond zu verdanken habe. Das ist aber nicht die ganze Wahrheit. Kurz bevor ich schlafen gehen wollte, habe ich noch nach meinem Roman geschaut. Und der stand bei Amazon auf einer neuen Rekordmarke. Platz 2.751 mag zwar nicht berauschend klingen, aber von mehreren Millionen Büchern, die dort angeboten werden, ist das für mich als Autorin schlicht atemberaubend. Denn das das ist das Ranking wirklich aller Bücher, also nicht nach Kategorien. Dort war ich nämlich sogar auf Platz 56, in Belletristik.

Warum ich das hier so ausführlich schreibe? Weil das nur möglich ist, weil Menschen mein Buch tatsächlich lesen. Und diesen Lesern möchte ich DANKE sagen, Danke fürs Lesen, Danke für das schöne Feedback, dass ihr mir gebt. Danke dafür, dass ihr euch die Mühe macht, mir zu schreiben, dass euch das Buch gefallen hat, Danke für die vielen Fotos, die ihr mir schickt, mit euch und meinem Buch darauf. Das rührt mein Herz!

Ich war mir kurz nach der Veröffentlichung von „iL Tedesco“ nicht sicher, ob ich wirklich die angekündigte Fortsetzung schreiben werde. Aber nach all den schönen Erlebnissen, dem vielen Lob und der häufigen Frage, wann Teil zwei kommt, ist natürlich klar, dass ich die Fortsetzung ebenfalls veröffentlichen werde. Ich arbeite fleißig daran!

Herzliche Grüße

Chiara

Cover

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Bevor ich dazu komme, wie ich meinen Fetisch auslebe, will ich kurz schildern, was mir wichtig ist. Ich mag es, wenn es sich leicht einführen läßt, ohne gleich in Arbeit auszuarten. Denn das garantiert auch das leichte Herausgleiten, bevor sich der Genuss ergießen kann. Auch darf er nicht zu hart sein. Zu hart ist schlecht, denn dann bleibt er zu gerne in der engen „Röhre“ stecken und das kann sogar manchmal richtig weh tun. Aber warum Fetisch? Ganz einfach, zum einen sammle ich gerne, das ist eine Art Befriedigung, und ich mache Dinge gerne richtig, das erhöht für mich den Genuss.
Eigentlich gibt es nur eine einzige Art von Korkenziehern, die man verwenden sollte. Nämlich das sogenannte „Kellnerbesteck“. Warum? Ganz einfach. Es verfügt über ein kleines, ausklappbares Messer, mit dem man die Schutzkappe des Korkens sauber entfernen kann. Sicher, manche Weinflaschen haben dazu eine kleine Lasche, mit der man die Hülle entfernen kann, aber oft trennen die nicht sauber genug. Und das letzte, was passieren darf, ist, dass der Wein beim Einschenken über ein Stück der noch abstehenden Hülle fließt. Also klappt man das Messer aus, setzt einen sauberen Schnitt um den Flaschenhals und fertig. Der Hebelmechanismus des Kellnerbestecks garantiert dann beim Entkorken, dass man ohne viel Kraft vorgehen kann. Das ist ebenfalls wichtig, denn der normale Korkenzieher erfordert Kraft. Jeder kennt das Bild, die Flasche irgendwie zwischen Körperteile geklemmt und dann mit aller Gewalt den Korken herausgerissen. Dabei wird der Wein durchgeschüttelt, und das mag er nicht so gerne. Dazu läuft man Gefahr, die Spindel zu weit hineingedreht zu haben, dann bröselt Kork in den Wein, oder zu wenig tief, dann reißt er unter Umständen ab.
Kellnerbestecke gibt es in allen Varianten, mein Favorit ist seit Jahren das Kellnerbesteck von WMF. Es ist schön schwer, schafft auch recht festsitzende Korken, das Messer ist gut zu bedienen und mit gefällt das schlichte, aber massive Design. Er ist mit um die fünfzig Euro nicht ganz billig, aber jeden Cent wert. Fast jedes Kellnerbesteck verfügt auch noch über einen Kapselheber. Bei vielen funktioniert der aber eher schlecht, beim WMF jedoch absolut perfekt.

Hier ein Bild von meinem Favoriten:

WMF

Die Alternative zum Kellnerbesteck:

Eigentlich keine. Jedoch, es gibt Korken, die sind hart wie Stein. Bei denen kann selbst das stabilste Kellnerbesteck an seine Grenzen kommen, dann reicht der Hebel nicht mehr aus, um den Korken leicht und ohne Beschädigung herauszubekommen. In diesen seltenen Fällen kommt diese Variante zum Einsatz:

Hebel

Die beiden Hebelarme ziehen jeden Korken sicher heraus. Das einzige, worauf man beim Kauf achten muss, ist, dass die Spindel eine gerade Spitze hat. Eine gebogene Spindel muss man leicht schräg ansetzen, um sie dann nach der ersten Drehung senkrecht weiter bewegen zu können. Bei diesem Modell geht das nicht, da der Ring eben auf den Flaschenhals gesetzt wird. Ist die Spindel-Spitze gebogen, neigen steinharte Korken dazu, zu zerbröckeln. Bei einer senkrechten Spitze passiert das nicht. Diese Variante ist übrigens auch optimal für die sehr festsitzenden Korken in Schaumwein, z.B. Proseccoflaschen, bei denen das Kellnerbesteck meist auch zu schwach ist.

Hier noch ein paar Beispiele aus meiner Korkenziehersammlung, alles Modelle, die ich nicht wirklich benutze, aber eben sammle.

Ein Erbstück, durch die Schutzkappe auch gut für unterwegs geeignet:

Erbstück

Aus massivem Silber. Leider mit hässlichen Gummiringen, als Verschluss der Flasche gedacht, was natürlich völliger Unsinn ist:

Das Showgerät, sorgt für den Aha-Effekt am Tisch, da fast vollautomatisch die Spindel mit dem großen Griff „eingedreht“ wird und im Gegenzug der Korken herauskommt und im letzten Schritt von der Spindel gestreift wird:

Show

Wenn ihr mal in Italien in der Nähe des bezaubernden Ortes Barolo unterwegs seid (ja, da kommt auch der gleichnamige Wein her), empfehle ich einen Besuch im dortigen Korkenziehermuseum:

Museum

Sodann, Zeit, eine gute Flasche zu entkorken und ein Glas zu genießen. Salute!

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Der Tauchunfall

Auszug aus Kapitel 1, von „Il Tedesco – der Deutsche“

5.

Das Ende dieser Belanglosigkeiten, über die ich noch ein paar Tage zuvor am Leuchtturm nachgedacht hatte, kam schon kurze Zeit später.

Meine Erinnerung setzt mit furchtbar grellem Neonlicht ein. Es ist ein Bild, dass ich seitdem wie eingebrannt in mir trage. Eine Frau, auf einer Liege, Menschen, die hektisch um sie herumlaufen, ihr Schläuche anlegen, Nadeln in sie stechen, aufgeregte Kommandos schreien, bis plötzlich alle zurückweichen, bis auf einen, der ihr zwei Metallteile auf die Brust hält, ein lautes Surren, ein Schlag, der Körper der Frau auf der Liege, der sich aufbäumt, wieder in sich zusammenfällt, das Ganze nochmal von vorne und plötzlich erinnere ich mich an einen Schmerz, einen so unglaublichen Schmerz, als ob der ganze Körper explodiert, und das Bild verschwimmt, und ich verschmelze mit der Frau auf der Liege.
Danach schwimme ich im Meer, sehr tief, es ist dunkel. Ich bin wie ein Fisch, ich atme das Wasser! Ich sauge es ein und aus, als hätte ich Kiemen. Es ist unglaublich, nur, dass es immer dunkler wird, und ich den Himmel über der Wasseroberfläche nicht mehr erkennen kann. Etwas später sehe ich „Zia“ (Tante) Roberta auf mich zuschwimmen. Sie ist alt, serh alt, weit über neunzig, und eigentlich schwimmt sie gar nicht gerne und ich will lächeln, aber es klappt nicht, und sie sieht mich nur an und nickt gütig, und es wirkt, als warte sie auf etwas. Ich habe viele dieser Träume, und immer haben sie mit Wasser zu tun, und irgendwann erkenne ich, dass ich ganz sicher keine Kiemen habe und Sauerstoff brauche, und ich bekomme Panik und ringe nach Luft und schreie dabei, und als ich die Augen öffne, sitze ich in einem Bett, und das Neonlicht ist grell, und ich muss mich übergeben, weil ich einen Schlauch im Hals habe, den ich zu hastig rausreisse. Während ich zitternd und keuchend im Bett sitze, kommen zwei Krankenschwestern und ein Arzt, und sie fummeln an dem Tropf herum, der in der Nadel in meinem Arm mündet und reden beruhigend auf mich ein, und ich atme ganz konzentriert, immer tief ein und wieder aus, und das mache ich so lange bis ich ganz sicher bin, dass es Luft ist, die ich atme und kein Meerwasser.

Niemand hat es bis heute geschafft, aus meinem Unterbewusstsein herauszuholen, was genau passiert ist. Ich war so dumm, die Tauchregel Nummer eins zu brechen. Ich bin alleine getaucht, wie schon so oft zuvor. Ich weiß auch noch, dass ich am alten Wrack war, aber was dort passiert ist, warum ich nicht mehr hochgekommen bin, all das liegt in der Dunkelheit des Meeres. Irgendjemand hat mich am Strand gefunden, mehr tot als lebendig und bis auf das Bild im Krankenhaus, als ich mich selbst beobachtet hatte, und die wirren Träume im Koma, setzt meine Erinnerung erst wieder ein, als ich mir diesen Schlauch aus dem Hals gerissen habe.

Vielleicht hätte ich wieder tauchen sollen, aber ich konnte mich nicht mehr dazu durchringen. Ich kann schwimmen, Boot fahren, wie früher. Ich liebe das Meer wie vor diesem Unfall, aber ich möchte nie mehr durch etwas anderes Luft holen müssen, als durch meinen Mund.

mare

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…Dieter wohnte in einem kleinen Stadthäuschen im Dorf, in das ich mich sofort verliebte. Diese schmalen, hohen Häuser „stapeln“ ihre Zimmer über mehrere Stockwerke aufeinander. Im Erdgeschoss war die Wohnküche und ein Bad, darüber, im ersten Stock, das Wohnzimmer, darüber ein kleines Arbeitszimmer und ganz oben das Schlafzimmer. Das Haus lag in der ehemaligen Stadtmauer, mit meterdicken Wänden und zur ortsabgewandten Seite mit einem atemberaubenden Blick bis ans Meer. Er hatte das Dach aufgeschnitten – wofür er garantiert niemals eine Genehmigung bekommen hatte – und so eine kleine Dachterrasse geschaffen, winzig, aber auf ihr hatte man das Gefühl, über dem Land zu schweben.
In meiner ersten Nacht dort bei ihm schlief Dieter auf der Couch im Arbeitszimmer und überließ mir sein Bett. In der zweiten Nacht schlief ich mit ihm auf der Couch und in der dritten Nacht teilten wir uns, als wäre es nie anders gewesen, das Schlafzimmer.
Ich war nie zuvor mit einem ausländischen Mann zusammen und Dieter überraschte mich mit seiner Art, die ich so nie an einem Mann kennengelernt hatte. Er war so aufmerksam, behutsam, liebevoll zu mir, keine Spur vom Macho-Getue, das ich von Stefano und anderen Männern davor gewohnt war.
Ich hatte keine Lust auf eine Auseinandersetzung mit Stefano oder Diskussionen mit meinen Eltern und so teilte ich ihnen einfach mit, ich sei zurzeit am Borgo unabkömmlich und werde eine Weile bleiben. Dieter und die wundervolle Gegend verzauberten mich so, dass ich mich zum ersten Mal richtig frei und ungebunden fühlen konnte. Es war wie ein völlig neues Leben. Dieter war im Dorf beliebt, alle mochten „il Tedesco“- den Deutschen -wie sie ihn nannten. Seine ruhige, zuverlässige Art kam gut an. Nun, mit mir an seiner Seite, schien alles perfekt. „Er hat sich endlich eine Frau gesucht“, erzählten sie sich in der Bar. Alle schienen teilzuhaben an unserem Glück. Wir wurden zu jedem Familienfest eingeladen, unser Freundeskreis wuchs und wuchs und wir fühlten uns beide, als hätten wir nie etwas anderes gemacht, als in dieser Dorfgemeinschaft zu leben.
Wir arbeiteten viel an unserem Projekt, dem Borgo, alles verschmolz ineinander, wir waren vierundzwanzig Stunden am Tag zusammen und genossen es. Wir diskutierten morgens beim Frühstück über Bauabschnitte, liebten uns tagsüber in dem kleinen Wald neben dem Borgo. Es gab keinen Feierabend, dafür aber auch keinen festgelegten Arbeitsbeginn. Mal hatten wir sonntags einen Geschäftstermin und fuhren montags spontan einen Tag ans Meer. Mein Leben wurde zu einem ruhigen, steten Fluß in dem ich mich mit Freude treiben ließ. Meine Albträume verschwanden und ich war so glücklich, wie ich mich nicht erinnern konnte, je zuvor gewesen zu sein.

Es ist seltsam. Ich schreibe diesen Teil der Geschichte an dem Haus, das Dieter und ich für uns gekauft und restauriert haben. Der Ort, an dem ich die glücklichste Zeit meines Lebens verbracht habe. Das Haus, das bald nicht mehr meines sein wird, da ich meinen Anteil daran ihm gebe, um mit der Vergangenheit abzuschließen. Aber ich spüre wieder dieses warme Gefühl, das ich damals in mir hatte – und muss gerade lächeln.

Unser Projekt, das Borgo, wurde ein voller Erfolg. Wir hatten es in Deutschland inseriert und viele Interessenten kamen. Ich zeigte den Deutschen die Gegend, erklärte ihnen die Möglichkeiten, die wir mit der Restaurierung hatten, und Dieter erläuterte die Kaufabwicklung. Die meisten Kunden liebten uns genauso wie die Dorfbewohner und wir lagen weit vor der eigentlichen Planung was den Abverkauf anging.

An einem Sonntag Nachmittag bestand Dieter auf einen Ausflug. Ich war müde, hatte keine Lust, aber er drängelte so lange, bis ich endlich mitfuhr. Er wollte mir nicht verraten, wo er hin wollte. Wir fuhren durch diese wundervolle Landschaft, immer weiter in die Hügel und plötzlich machte er auf der Landstraße eine Vollbremsung, fluchte, setze ein Stück zurück und bog in einen Feldweg ein, der kaum zu erkennen gewesen war. Der Weg war völlig eingewachsen und er musste den Allrad zuschalten, um das letzte Stück zu schaffen. Eine letzte Kurve und dann hielt er auf einem kleinen Plateau. Eine großes altes Herrschaftshaus stand hier. Was für eine Lage. Es thronte auf dem Hügel, der Blick in alle Richtungen war atemberaubend. Er setzte an, etwas zu sagen, aber ich war schon aus dem Auto gesprungen, bestaunte das Haus, das mindestens 200 Jahre alt sein musste. Wie ich diese alten Ruinen liebe. Es war in einem furchtbar schlechten Zustand, das Dach fast völlig eingebrochen, keine Fensterrahmen mehr, überall Löcher in den Außenmauern, sogar einige Risse, vermutlich von Erdbeben. Ringsherum wucherte das Unkraut meterhoch. Ich stand einfach da, überwältigt. In Gedanken ging ich schon die Aufteilung der Räume durch, versuchte zu erkennen, ob noch Dachbalken zu gebrauchen waren, welche Farbe passen würde. Dieter war leise von hinten an mich herangetreten, legte seine Arme um mich.
„Lass es uns kaufen, Chiara. Und hier leben. Lass es für immer sein.“
Ich erschrak. Ein Haus kaufen? Zusammen? Das war eine schwerwiegende Entscheidung. Meine Familie fiel mir ein und ganz kurz, bevor er mein Zögern bemerken konnte, dachte ich daran, wie ich ihn bei unserer ersten Begegnung zurückgestoßen hatte. Und das wollte ich nicht noch einmal tun, und so drückte ich mich einfach ganz fest an ihn und vergrub meinen Kopf an seiner Brust, so dass er meine Tränen nicht sah.

Ich war noch völlig aufgewühlt, als wir zurück ins Dorf kamen und als er gerade den Schlüssel ins Schloß steckte, klingelte das Telefon. Ich sprintete an ihm vorbei, um den Anruf nicht zu verpassen, denn nichts nervt mich mehr, als nicht zu wissen, wer angerufen hat. Es war….mein Vater. Ich hatte ihn lange nicht gesprochen, nur ein paar Mal kurz mit Mama telefoniert. Papa war ich aus dem Weg gegangen. Er ist Sizilianer, und er rastet noch schneller aus als ich, was wirklich etwas heißen will.
„Ciao Chiara“, staubtrocken.
„Ciao Papà“, distanziert.
„Es wird Zeit, dass Du nach Hause kommst. Wir müssen reden.“
Ich schwieg lange, bis ich ein „Si, Papà“ rauspresste.
Ich würde hinfahren müssen. Noch länger konnte ich es nicht aufschieben. Und mir war klar, was ich zu hören bekommen würde…

iL Tedesco – Der Deutsche ist soeben als Buch erschienen:

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Ein paar Impressionen von Rimini in meinem Fotoblog

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