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Posts Tagged ‘piccola’

Bevor ich meine erste Restaurant-Rezension hier im Blog schreibe, vorneweg, die werden alle nicht so detailliert ausfallen, wie man das vielleicht tun sollte. Aber, ich bin keine Restaurantkritikerin. Ich gehe essen, weil ich es liebe, nicht um nur für eine Rezension die ganze Speisekarte durchzuarbeiten.

Beginnen möchte ich mit dem „Casal San Sergio“ in der Nähe von Fossombrone, in den Marken, im Hinterland von Fano.

Entdeckt habe ich es zufällig, an einem dieser Sonntage, an dem ich zum Schrecken aller anderen gegen 11.00 Uhr beschließe, den aperitivo ausfallen zu lassen, um auf die Suche nach einem neuen Restaurant zu gehen. Meine Freunde hassen und lieben diese Vorhaben zugleich. Hassen, weil es passieren kann, dass ich auch nach drei Stunden sofort wieder aus dem x-ten Lokal gehe, weil mir etwas nicht gefällt, während alle schon fast am Verhungern sind. Lieben, weil ich ein untrügliches Gespür dafür habe, selbst in der verlassensten Gegend noch eine Perle von Restaurant aufzutun.

Die kritische Grenze in Italien ist ca. 13.30 Uhr. Bis dahin sollte man wissen, wo man isst, denn ein vernünftiges Mittagessen benötigt nun mal mindestens zwei, eher knapp drei Stunden – und dann wird es einfach zu spät.

An diesem Sonntag ging die Uhr schon auf Richtung zwei Uhr zu, wir waren bestimmt schon an die hundert Kilometer kreuz und quer durch die Hügel gefahren, hatten bei zwei Restaurants nicht mal das Auto verlassen, eins hatte geschlossen, eins, das ich von früher kannte, war abgerissen worden und eins war beim Betreten wegen der dreisprachigen Speisekarte sofort durchs Raster gefallen.

Dann, wie gesagt, es war fast schon zu spät und die Ersten von uns sahen sich schon an einem Piadina-Stand notdürftig eine minderwertige Stärkung einnehmen, sah ich aus dem Augenwinkel ein Schild. Ich trat voll auf die Bremse, knallte den Rückwärtsgang rein und las irgendwas mit „Rocca“. Nun sind Schilder in Italien eine Wissenschaft für sich. Sie zeigen in alle möglichen Richtungen, sagen dir was von 4 km und nach 2 km kommt das nächste Schild, auf dem es zum gleichen Ziel plötzlich noch 6 km sein sollen. Restaurantschilder werden gerne irgendwo aufgestellt, dann aber nicht konsequent bis zum Ziel fortgesetzt und Entfernungsangaben stehen meist eh nicht drauf. Kurz, Restaurantschildern folge ich normalerweise nie. Diesmal schon, die Verzweiflung war bereits groß genug. Und so traute ich meinen Augen kaum, als nach einem Kilometer bereits tatsächlich das Ziel erreicht war. Zwar, wie sich später herausstellte, nicht das Lokal, auf das das Schild hingewiesen hatte, aber egal. Wir bekamen Essen.

Bevor ich der Übersichtlichkeit halber für dieses Lokal einen eigenen Blogabschnitt eröffne, ein paar grundsätzliche Dinge, zum Essen in Italien, die es vielleicht vereinfachen, das Essen besser genießen zu können.

Beim Betreten:

Es ist unüblich, sich seinen Platz selber zu suchen. Einfach warten, bis ein Kellner kommt, der euch einen Tisch vorschlägt. Diesen muss man natürlich nicht sofort akzeptieren. Ein kurzes Zögern und dabei den Wunschtisch ins Auge fassen, genügt fast immer.

Italiener essen VIEL:

Ja, aaaber, nicht immer. Nur weil im Reiseführer steht, dass ein vernünftiges Menü aus einer großen Nudelvorspeise gefolgt von einem Hauptgang und davor am besten noch ein paar antipasti besteht, erwartet niemand, dass man mehr isst, als man kann. Es ist absolut üblich, sich z.B. ein Nudelgericht zu zweit als Vorspeise zu teilen. Oder auch das Hauptgericht, oder auch nur aus der Rubrik Vorspeisen etwas auszuwählen. Kein Stress, da meckert niemand.

Die Weinkarte:

Du bist Weinkenner und möchtest gerne gute Weine probieren. Ja, mach das. Auf dem Weingut um die Ecke. Im Lokal ignoriere ich die Weinkarte prinzipiell. Man bestellt 1/4 (quarto) oder 1/2 (mezzo). Diese offenen Weine sind vom Weinbauern in der Nähe, ehrlich, gut und entsprechend preisgünstig. Im Fischlokal nimmt man entsprechend Weißwein, hier wird die Frage kommen „frizzante oder fermo“ (leicht mit Kohlensäure versetzt oder still).

Die Flasche Wasser zum Essen ist obligatorisch, es wird auch nicht lange gefragt, ob man eine möchte, sondern nur, wie man sie haben will – still oder sprudelnd (naturale oder frizzante).

Und in der Pizzeria?

Die gute Pizzeria auf dem Land wird nur abends Pizza anbieten, da der Steinofen nicht zweimal am Tag angeschürt wird. Zur Pizza trinkt man in Italien übrigens Bier, Rotwein dazu ist eine Deutsche Erfindung und in Italien absolut unüblich. Bier bekommt man (zu horrenden Preisen) in drei Größen: klein (piccola) 0,2 Liter, mittel (media) 0,4 Liter oder, aber bitte nur, wenn man zu mehreren ist, groß (grande) 1 Liter. Der Liter wird nicht wie in Bayern üblich im Maßkrug für einen Gast gebracht, sondern im Krug mit entsprechend vielen Gläsern, so dass sich alle am Tisch aus diesem Krug nachschenken können (das ist übrigens der Grund für die alkoholischen Ausfälle meiner Landsleute auf dem Oktoberfest, die sich nie vorstellen konnten, bei der Bestellung von einem Liter Bier dieses in EINEM Glas für EINE Person serviert zu bekommen).

Die Beilagen:

Anders als in Nordeuropa üblich, gibt es standardmässig keine Beilagen zum Essen. Man kann diese, je nach Laune, separat bestellen, muss das aber nicht. Darin liegt auch das Geheimnis, nicht völlig überfressen aus dem Lokal zu wanken. Fisch und Fleisch alleine, ohne brutale Sättigungsbeilagen, sind viel leichter zu verdauen und machen auch nicht dick.

Die Speisenfolge:

Klingt blöd, aber die Speisenfolge ist nicht variabel und folgt einer strengen Abfolge. Zuerst Antipasti, kalt oder warm. Dann der erste Gang (il primo), in der Regel diverse Nudelgerichte. Zu Nudeln mit Fleisch oder Gemüse gehört Parmesan, der in der Regel unaufgefordert gebracht wird. Nudelgerichte mit Fisch bitte niemals damit bestreuen. Der zweite Gang (il secondo), der Beilagen zulässt. Geheimtipp ist hier Salat oder Gemüse vom Grill, Pommes kann man schliesslich in den diversen Schnellrestaurantketten essen. Nach dem Hauptgang kommt das Dessert (dolce). Kein Schnaps, kein Kaffee. Kein Dessert MIT Kaffee. Ich habe einen Wirt erlebt, da hatte ich schon den Espresso vor mir, sah am Nachbartisch ein Tiramisu, das ich einfach haben musste. Er brachte es und nahm den Kaffee wieder mit. Nach dem Süßen gibt’s dann endlich Koffein. BITTE, und das meine ich ernst, keinen Cappuccino bestellen. Jedem Italiener dreht sich beim Gedanken daran der Magen um. Und zudem gilt es als grobe Beleidigung für den Wirt. Der Cappuccino ist ein Frühstückskaffee. Er macht satt. Ihn nach dem Essen zu ordern, signalisiert dem Koch, sein Essen war entweder zu wenig oder zu schlecht. Man bestellt einen caffè (=espresso). Danach kommt dann zur Belohnung und zur Abrundung ein kleiner Grappa oder Limoncello.

Wichtig, die Reihenfolge ist einzuhalten, einen oder mehrere Gänge wegzulassen aber üblich.

Die Speisekarte:

Richtig gute Lokale haben gar keine. Weil sich der Koch nicht festlegen lässt, was ihm morgens auf dem Markt gefallen wird. Gibt es eine Karte, hat sie informativen Charakter. Ich habe schon Ausländer schier verzweifeln sehen, als sie versuchten, eine Übersetzung zu finden, in ihren Wörterbüchern. Es gibt unzählige Namen für Gerichte, die sind nicht übersetzbar. Die sind regional. Ich muss selbst immerzu nachfragen, was was ist. „Fenchel nach Omas Art“ oder „Wildschweinragout des Chefs“ kann alles bedeuten. Wichtig vielleicht, vorher die Begriffe für Schwein, Rind, Lamm und Huhn nachschlagen. Dann hat man eine grobe Orientierung.

Die Rechnung:

In den meisten Lokalen geht man mit der Rechnung an die Kasse und zahlt dort, ganz selten direkt am Tisch. Die Rechnung beläuft sich auf 56 € und ihr sagt, wie in Deutschland gewohnt „mach 60“, ihr werdet dennoch Wechselgeld auf 56 zurück bekommen. Warum? Ganz einfach. Trinkgeld ist völlig unüblich. Auch wenn das immer wieder pauschal im Reiseführer steht. In Touristenzentren ist dass Trinkgeld über das „Gedeck“ (coperto) bezahlt, in Lokalen, in denen üblicherweise nur Einheimische verkehren, wird keins gegeben. Wer damit nicht leben mag, lässt beim Gehen ein paar Münzen direkt auf dem Tisch liegen. Übrigens, Italiener in einer Gruppe zahlen gemeinsam, das heisst, die Rechnung wird einfach durch die Anzahl der Teilnehmer geteilt, ohne viel herum zu rechnen.

Kleine Extras:

Rauchen ist in Italien überall verboten, es gibt auch keine Raucherlokale. Aber jeder Wirt hat irgendwo draußen eine gemütliche Lounge dafür bereitgestellt. Wenn ihr die Toilette sucht, einfach nach dem „Bagno“ (sprich banjo) fragen.

So, bestens gerüstet, wird es Zeit, ein paar Lokale auszuprobieren. Das erste folgt in Kürze.

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